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Gute Nacht! Die Erde ruht wieder!

Gemäß Newtons kausaler Sicht (Dynamik), kreisen die Planeten in Folge der Mächtigkeit des Schwerefeldes der Sonne um diese. Auf Grund der neopositivistischen Lehre Machs, die lieber dem Augenschein traut, meinte Einstein in der Mechanik mit einer rein beschreibenden Betrachtung (Kinematik) ohne Ursachen und Kräfte auskommen zu müssen (nannte sie aber trotzdem "Dynamik" - hier stimmte schon der Titel nicht). In Ermangelung einer Ursache der Himmelsbewegungen wäre wegen der "Relativität der Bewegung" "damit die Rückkehr zu des PTOLEMÄUS Standpunkt der 'ruhenden Erde' (im Mittelpunkt des Universums) INS BELIEBEN gestellt." (Max Born, Die Relativitätstheorie Einsteins). Es wäre also auch wieder legitim dem Augenschein zu trauen und zu sagen, dass sich die Sonne um die Erde bewegt und mit ihr das ganze All, was im Wissen ein Rückfall vor Kopernikus ist. Das hat mich zu der folgenden behutsamen Umdichtung des berühmten Abendlieds von Matthias Claudius (1740 - 1815) inspiriert. In den Versen 4 und 5 (unverändert) muss er wohl schon damals etwas von den eitlen Luftgespinsten und Künsten "moderner" Physik geahnt haben. - Man kann das Lied bekanntlich auch singen! Probieren Sie es!


Die Ruhe ist der Erde heilig, nur Kometen haben's eilig.

Erde nach der Lektüre der SRT denkt:
Oh, wie schön ist nichts zu tun und nach dem Nichtstun auszuruh'n.
Zeichnung: Peter Hille


Abendlied
nach und von Matthias Claudius

Der Mond ist aufgehangen,
Die goldnen Sternlein prangen
   Am Himmel hell und klar;
Die Erde ruht und schweiget,
Weil sie nicht mehr steiget
   Auf ihrer Bahn das ganze Jahr.
Vorbei ist all die Mühe
Von spät bis in der Frühe
   Am Himmel hell und klar;
Sie muß sich nicht mehr drehen,   
Nicht um die Sonne gehen,
   Das ist nun nicht mehr wahr.
Wir können nach Belieben
Erd' oder Sonne schieben,
   Das ist nun relativ;
Die Raum-Zeit ward geboren,
Flieh- und Schwerkraft sind verloren,
   Realität hängt schief.
Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
   Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
   Weil unsre Augen sie nicht seh'n.

  
Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
   Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
   Und kommen weiter von dem Ziel.

  
So legt euch denn, ihr Brüder,
Gleich mit der Erde nieder;
   Kalt ist der Abendhauch.
Wer fragt, den soll man strafen,
Damit wir ruhig schlafen!
   Das ist hier so der Brauch.

  
I

aus WEGE DES DENKENS, Datei (I/B2) "Prolog im Himmel". Weitere Erläuterungen dort