Meine Kolumne "Philosophische Sentenz des Monats" auf der kommerziellen Website "Geschenke aus den Museen der Welt".
Philosophische Sentenzen von 2014

Die Philosophischen Sentenzen der Monate Januar, April, Mai, Juni und Juli sind als Auswahl in WEGE DES DENKENS in der Datei L9b Meine Kolumne 2014 abgelegt. Der Januartext "Der Universalist Laotse" ist eine Fortsetzung der Philosophenreihe von 2013.


Helmut Hille
Der Universalist Laotse
15.01.2014

In der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. gibt es eine bemerkenswerte kurze Zeitspanne in der weltweit menschliches Verstehen sich selbst zum Gegenstand wurde (s. die Januar-Sentenz von 2013). In Griechenland waren es die Vorsokratiker, die das Fundament der abendländische Philosophie und Wissenschaft legten, in Indien war es Buddha, der sich mit dem trügerischen Schein auseinandersetzte, in China war es vor allem Laotse ("Alter Meister"), der den Menschen die Weisheit der Selbsterkenntnis lehrte: "Andere erkennen ist klug, sich selbst erkennen ist weise." Karl Jaspers nannte diese Zeit "die Achsenzeit": "Dieser Schritt ins Universale oder die ‚Vergeistigung' habe ein Veränderung des gesamten Menschseins bewirkt." "Das Reich der Mitte", wie Chinesen ihr riesiges Territorium mit seinen vielen Völkerschaften und den weiten Horizonten nannten und wohl immer noch nennen, inspirierte zudem, überhaupt ins Universale und Allgemeine zu denken, im Gegensatz zum vorderen Orient, wo ein enges Stammesdenken vorherrschte, das auch seine Religionen geprägt hat. Laotse ging es darum, sich den allgemeinen Gesetzen des Himmels zu nähern und sich mit ihnen in Übereinstimmung zu bringen. Er nannte diesen Weg des Geistes das Tao, das auf das All-Eine zielt. Was der Westen heute erst mühsam zu begreifen lernt aber immer noch nicht ernst genug nimmt (s. die unergiebigen Weltklimakonferenzen), war ihm schon Gesetz: "Der Mensch ist abhängig von der Erde, die Erde ist abhängig vom Himmel, der Himmel ist abhängig vom Tao." Also gilt es das Tao, das zugleich Gesetz, Weg und Ziel ist, zu erkennen und nach ihm zu leben.

Laotses Weisheiten sind im Buch Tao-te-king festgehalten. Als er das Land wegen seiner inneren Kämpfe nach Westen verlies, hätte ihn ein Zöllner zuvor noch gebeten ihm zu sagen, was er für weise hielt und es dann niedergeschrieben. So wurden uns die 81 Sprüche in Versform überliefert, zu denen es auch mehrere Übersetzungen ins Deutsche gibt. Ich habe mich dabei vor allen an die Interpretation von Carl Dallago gehalten "Der Anschluss an das Gesetz oder der große Anschluß" (Erstfassung 1914, Neudruck 1953 Verlag Lambert Schneider Heidelberg), dem es anhand der ihm vorliegenden Übersetzungen um den Sinn der Worte Laotses ging. Dabei ist ihm eine kurz und bündige Fassung der Sprüche gelungen, die mich mit ihrer Prägnanz überzeugt.

SECHSTER SPRUCH
Das Urseiende wandelt sich nicht.
Es ist das Ewig-Mütterliche.
Des Ewig-Mütterlichen Gestaltungsgabe
Ist der Ursprung von Himmel und Erde.
Stetig gebärend bedarf es nie der Befruchtung.
Diese "Gestaltungsgabe" des "Ewig-Mütterlichen" verstehe ich als Emergenz. Emergenz bezeichnet das "Auftauchen" vorher nicht vorhandener Eigenschaften durch die Verbindung oder dem Auseinanderfall qualitativ unterschiedlicher Komponenten, die uns die Fülle der Daseinsformen verständlich macht.

Der Weise oder "der Vollendete", wie ihn Dallago übersetzt, schließt sich dem Tao an, indem er sich ihm vorurteilslos und uneitel hingibt (aus dem ZWEITEN SPRUCH):

Darum pflegt der Vollendete:
Das Sichdartun ohne zu bestimmen,
das Belehren ohne zu lehren, - (durch Vorbild)
das Sichverschenken ohne zu werten,
Er schafft und vermehrt nicht,
er spendet und besitzt nicht,
er empfängt und behält nicht.
Und eben weil er nicht behält,
bleibt er immer in Fülle.
Der Weise will nicht selber leuchten. Darum ist er der (vom Tao) Erleuchtete.

Das ist hier zwangsläufig nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus der Weisheit Laotses, die westlichem Denken ebenso fremd ist, wie sie fasziniert. Meine Texte in Versform auf ZEIT UND SEIN sehe ich sehr oft in seinem Geiste geschrieben. So heißt es in Text [13] "Gruß an Sokrates", der ebenso "Gruß an Laotse" heißen könnte und ihm in Stil und Form am nächsten kommt:

1. Der Anfang der Weisheit

Sokrates Erkenntnis "Ich weiß, dass ich nichts weiß"
ist nicht das Ende, sondern der Anfang der Weisheit.
So der Meinungen ledig,
fängt der Weise an zu verstehen.

Zum Weiterlesen:
wie zuvor angegeben
http://www.helmut-hille-philosophie.de/sokrates.html


Helmut Hille
Meister Eckhart und das Sein an sich
15.02.2014

Das menschliche Gehirn lässt nichts so, wie es sich den Sinnen darbietet, sondern es reichert Erscheinungen solange mit ihm bekannten Eigenschaften, Relationen und Bedeutungen an, bis es mit dem Wahrgenommenen in geübter Weise umgehen kann. Auf diese interpretierende Art macht es sich das Sein ähnlich und zu eigen. Was das Sein jenseits unserer, auf das Verstehen zielenden Interpretation ist, bleibt daher die Frage. Erfahrungen und erkenntniskritische Überlegungen zeigen uns, dass das Sein alle Denkbarkeit übersteigt. Hieraus ergibt sich der Begriff der Transzendenz, als jene Grenze, die uns durch unsere kognitiven Fähigkeiten gegeben ist. Jenseits, dieser "Transzendenz" genannten kognitiven Grenze, ist nicht eine andere Welt, sondern die Welt anders, nämlich uninterpretiert, d. h. so, wie sie für sich selber ist.

So haben Menschen aller Bildungsstufen immer wieder einmal das richtige Gefühl, dass ihr ödes "Tatsachenwissen" nicht alles sein kann, was es gibt, weshalb sie nach einer "höheren" Wahrheit suchen. Heute zielt eine solche Suche gern auf "Außerirdische", die angeblich nur darauf warten, uns das Heil bringen zu können, sobald wir für es reif sind, was eine säkularisierte Form des Gottesglaubens ist, in der das Überirdische zum Außerirdischen mutiert ist. Hierbei wird besonders anschaulich die Gefahr deutlich, in der menschliches Empfinden und Denken immer steht: dass der Mensch sich eine transzendente Welt nach dem Muster der diesseitigen bildet, denn dem Denken fällt es schwer, von seinen erprobten Mustern zu lassen. Ein solches Muster ist z.B. das der Familie. Eine himmlische Hierarchie nach ihrem Muster mit Gott als Gottvater und Überweisen, wirkt schon durch die Anlehnung an das Familienmuster überzeugend.

Empfindsame und kritische Geister sehen daher, dass sie auf diese Weise nicht aus der Gefangenschaft des Musterdenkens ausbrechen und die ihnen bekannte Welt wirklich transzendieren können. Die spirituelle Praxis lehrt, dass hier nur Selbstvergessen hilft. Dieses muss nicht unbedingt ein kontemplatives sein. Auch der Mensch, der im Dienst am Nächsten seine eigenen Nöte vergisst, der Künstler und Denker, der in seinem Werk aufgeht, machen eine höhere Wahrheit kenntlich, die eben nicht zu den "Wahrheiten" dieser Welt gehört, in der alles notwendig von Selbstsucht, die in allen nur sich selber sucht, gesteuert wird.

Eine kontemplative Art des Selbstvergessens, der von einer religiösen Lehre der Boden bereitet wird, ist die Mystik. Die vorgefundene religiöse Lehre ist dem Mystiker dabei nur der Ausgangspunkt und die Sprache, um sich der Transzendenz zu nähern und sich und anderen sein Erleben verständlich zu machen. Er selbst aber strebt danach, die zufällig vorgefundenen Interpretationen gerade hinter sich zu lassen (und nicht, sie zu reformieren): im Überschreiten der Transzendenz in der Abgeschiedenheit der Seele von aller Interpretation. Und in diesem sich ereignenden Quantensprung des Bewusstseins zum Bewusst-Sein, den der Mystiker die Erfahrung der Gnade nennt, erkennt sich das uninterpretierte Sein, wie es in Reinheit in sich selber ist. Gerade die Spiritualität des Fernen Ostens, die auf ein Sein und nicht auf ein Tun setzt, wie der Westen, ist von dieser Erfahrung geprägt und auf sie gerichtet, während wir im Abendland hauptsächlich nur in der mittelalterlichen Mystik Ansätze dazu finden. Wie sehr es Meister Eckhart um die Erreichung eines Zustandes ging, in der selbst Gott nur für den Menschen Gott ist, als Metapher der Transzendenz, zeige ich anhand von Zitaten aus seinen Predigten (s. weiterführender Link unten). Zugleich möchte ich mit ihnen den rastlosen modernen Menschen eine Ahnung davon vermitteln, wie Sinn gebend und Sinn erfüllend ein Leben sein kann, das um Seinserfahrung ringt und dabei die Kraft und das Glück einer in sich ruhenden Innerlichkeit erfährt, die sich der ringsum angebotenen Zerstreuung entzieht.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
II. Das Verhältnis von Denken und Sein
(II/12) Der philosophische Kern der Lehre Meister Eckharts
http://helmut-hille.de/eckhart2.html


Helmut Hille
Was ist eine Messgröße?
15.03.2014

In der Philosophischen Sentenz vom Februar 2011 "Elle und Fuß und die unsinnige Jagd nach dem Urmeter" schrieb ich zum Schluss: "Sie (die Physiker) da aufzuklären (was Messgrößen sind) ist kaum möglich. Doch muss man es immer wieder versuchen in der Hoffnung, dass nachwachsende Generationen es vielleicht doch einmal besser wissen wollen." Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Daher habe ich mich trotz meines Alters entschlossen, noch einmal zu einer Tagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) zu fahren, obgleich der Tagungsort Berlin von Heilbronn einiges entfernt ist und eine teure und lange Anreise und mehrere Übernachtungen in einem Hotel erfordert. Aber Berlin ist ja bekanntlich immer eine Reise wert. Zudem liegt der Tagungsort, die Humboldt-Universität, gleich neben der Museumsinsel, der ich unbedingt jetzt, März 2014, einige Besuche abstatten möchte. Ein Zeitfensterticket für das Pergamonmuseum habe ich schon.

Vor dem Fachverband "Theoretische und Mathematische Grundlagen der Physik" werde ich eine gekürzte Fassung meines Textes von 1994 "Messen als Erkenntnisakt" vortragen, zu dem ein Gutachten der Technischen Universität München vorliegt, das ich am Anfang zitieren werde. Doch einleitend bringe ich einen Satz der österreichischen Dichterin Ingeborg Bachmann, die gesagt hat: "Die Wahrheit ist in der richtigen Verwendung der Sprache zu finden." Und diese beginnt mit der richtigen Verwendung der Begriffe, wie ich ergänze. Wenn z.B. gesagt wird "die Masse ist ein Teilchen" oder "Uhren messen die Zeit" so wird eben verkannt, dass Masse und Zeit physikalische Messgrößen und keine Sachobjekte sind. Die Masse ist das Maß der Trägheit, die wir erfahren, wenn auf einen Körper eingedrückt wird, aus der wir dann auf die Menge der betroffenen Materie schließen. Die Zeit ist das Maß der Dauer, so wie die Energie das Maß der Arbeit ist, die ein Objekt leisten kann. Erst wenn wir das berücksichtigen wissen wir, von was wir sprechen, und können entsprechend richtig argumentieren sowie sinnvoll und effektiv forschen.

Was ich vortrage ist keine Theorie, sondern die durch unsere Erkenntnissituation bedingte einzig mögliche Praxis von Metrologen seit Anbeginn und weltweit, aber auch von jedermann. Und gemessen werden nicht Sachen, sondern Aspekte von Sachen wie z.B. der Aspekt der Länge einer Sache. Die Messkunde - die Metrologie – hat mit dem Faktum zu tun, dass alle Maßeinheiten – von den Metrologen "Normale" genannt – zuerst definiert und verordnet werden müssen, bevor man etwas verbindlich messen kann. Auch wenn man Einheiten anhand bekannter Erscheinungen definiert, z.B. die Sekunde als der 86.400 Teil eines mittleren Sonnentages, so ist es doch immer der menschliche Geist, der sich in eigener Souveränität Messgrößen gibt. Denn wie will man ohne Vorgaben etwas messen? Erst wenn Maßeinheiten überall gelten und verstanden werden, kann es erst etwas geben, was das Prädikat "Messen" verdient. Alles Verstehen beruht auf Konstanten, auf die man sich verlassen kann, nicht nur beim Messen. Wenn Einstein von der Relativität von Raum (Maß der Länge) und Zeit (Maß der Dauer) spricht, ist es kein Wunder, dass seine Relativitätstheorie als Synonym von Unverständlichkeit gilt, denn sie leugnet ja gerade das, auf was unser Verstehen beruht. Und Einstein verkennt, dass Maßeinheiten keine Frage der Wahrheit sondern der Geltung sind, also etwas Juristisches. Das nicht zu verstehen, ist auch heute noch der Kern des Problems, das Physiker bei Unkenntnis der Beobachterrolle mit dem Begriff des Messens haben. Hier gilt was schon Lichtenberg (1742 - 1799) in Bezug auf die Chemie sagte: Wer nur Physik versteht, versteht auch die nicht recht.

Ich werde in Berlin jedoch nicht nur vor dem Fachverband "Theoretische und Mathematische Grundlagen der Physik" vortragen, sondern auch vor der Arbeitsgruppe "Philosophie der Physik", der ich seit ihrer Gründung 2004 angehöre und die sicher aus der Einsicht des Vorstandes hervorgegangen ist, dass ohne Klärung ihrer Grundlagen die Physik kein Fundament hat, von dem aus man sicher urteilen kann. Hier habe ich den Beitrag "Physik in Literaturform" angemeldet, zu der z.B. das Gedicht "Die Lehre von der Allgewalt der Schwere" von und nach Goethe gehört. Wie man aus der Auflistung meiner DPG-Vorträge ersieht (WEGE DES DENKENS/Publikat./Vorträge), wird "Messen als Erkenntnisakt" mein 21. und voraussichtlich auch letzter Vortrag vor der DPG sein. In der Auflistung ersieht man ferner, welche weiteren Texte ich für die Arbeitsgruppe vorgesehen habe und wo sie zu finden sind.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
I. Rationale Grundlagen der Physik
A.Texte zur Wissenschaftstheorie
(I/A6) "Messen als Erkenntnisakt"
http://www.helmut-hille.de/messenal.html

WEGE DES DENKENS
I. Rationale Grundlagen der Physik
C.Texte zur Kosmologie und Raumfahrt
(I/C7) "Die Lehre von der Allgewalt der Schwere. Szene Faust/Newton"
http://www.helmut-hille.de/schwere.html



Helmut Hille
Mein erster DPG-Vortrag
15.04.2014
http://www.helmut-hille.de/kolumne2014.html#2


Helmut Hille
Alles in Ordnung?
15.05.2014
http://www.helmut-hille.de/kolumne2014.html#3


Helmut Hille
Neues vom Bewusstsein
15.06.2014
http://www.helmut-hille.de/kolumne2014.html#4


Helmut Hille
Für die Immanenz von Kräften
15.07.2014
http://www.helmut-hille.de/kolumne201.html4#5


Helmut Hille
Gedanken zur Sprache
15.08.2015

aus WEGE DES DENKENS Seite "Autor": So vor mich hin gesprochen

Selbst wenn wir Begriffe definieren, müssen wir doch mit Begriffen beginnen, die undefiniert sind.
So ist die Unschärfe von Anfang an in unserem Denken.

Bedeutungen sind das Blut der Sprache. Ohne die von ihr transportierten Bedeutungen bleibt Sprache leer.
Genauso Information: Information ist immer Information über etwas - sonst ist sie keine.

Der Philosoph arbeitet am Begriff und am Argument, der Dichter an der Sprache. Während der Philosoph dem Leser nicht ersparen kann, an seinen Mühen teilzunehmen, erhebt ihn der Dichter sinnstiftend aus den Plagen seines Tagwerks. Darum erscheint er dem Philosophen so überlegen. Schiller an "Goethen": »Soviel ist indes gewiss, der Dichter ist der einzige wahre Mensch, und der beste Philosoph ist nur eine Karikatur gegen ihn.« Freilich, gegen Goethe sieht jeder schwach aus. Trotzdem: wer als "Philosoph" mehr mit der Sprache spielt oder in Sprache schwelgt statt an den Begriffen und den Argumenten zu arbeiten und Sachverhalte zu klären, muss sich sagen lassen, dass er seine Aufgabe verfehlt hat, seien seine Sätze auch noch so brillant.

Der Weg des Geistes ist es, Unterscheidungen zu treffen.
Er ist es, der die Menschheit aus dumpfer Verständnislosigkeit zu geistiger Klarheit geführt hat, die aber auch immer wieder verloren gehen kann, wenn sie nicht gepflegt wird.
Oder wenn man in seinem Materialismus Geistiges sogar verachtet:
Graf Hermann Keyserling, Kulturphilosoph: »Eine den Geist verachtende Welt wird real geistlos.«
Ohne Geist glotzt man nur verständnislos auf die Phänomene.

Wo das Geistige nicht geachtet und beachtet wird, achtet man auch nicht auf die Sprache.

Peter Janisch: »Sprachvergessenheit ist zum Kennzeichen der Naturwissenschaften geworden.«

Aller geistige Niedergang zeigt sich zuerst am falschen Gebrauch der Begriffe.

Ingeborg Bachmann: »Die Wahrheit ist in der richtigen Verwendung der Sprache zu finden.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
III. Die Hervorbringung des Menschlichen
Texte zur Biologie, Evolution und Ethik
(III/10) Herrschaft durch Sprache
http://www.helmut-hille.de/sprache.html


Helmut Hille
Gedanken über Bewusstsein und Realität
15.09.2015
aus WEGE DES DENKENS Seite "Autor": So vor mich hin gesprochen

Bei Sachverhalten gehe ich nicht von "Vorstellungen" aus und versuche sie zu vermitteln, sondern beschreibe, wie die Sache sich mir stellt, wenn ich mir ihr möglichst offen zu nähern versuche. Dabei ist es manchmal nötig, sie aus verschiedenen Richtungen anzugehen, um ein schärferes Bild von ihr zu gewinnen.

Dabei weiß ich heute: Selbst so genannter "Sachverhalte" werde ich mir nur durch Urteile bewusst, die auf meinem Wissen und meinen Meinungen beruhen. Wenn ich zu registrieren vermeine, mein Gegenüber ist ein Mensch oder ein Baum, hat mein kognitiver Apparat zuvor bereits einen Abgleich aller Möglichkeiten gemacht und das plausibelste Ergebnis mir vorgelegt.

Selbstverständlich gibt es vernünftigerweise eine beobachterunabhängige Wirklichkeit - aber nur solange, wie sie nicht beobachtet wird, ist doch jede Beobachtung schon eine Interpretation des kognitiven Apparates. Im Mikrokosmos ist sie darüber hinaus auch noch Wechselwirkung, die den unbeobachteten Zustand zwangsläufig verändert.

Trotzdem ist es wichtig, die zielführende Idee einer beobachterunabhängigen Realität beizubehalten, ist sie es doch gerade, die uns nach der Rolle des Beobachters fragen lässt.

Wir wissen nicht so viel von der Natur, weil wir ein Teil von ihr sind, wie die Epistemologen* so schön einleuchtend sagen - aber auch ein Stein ist ein Teil der Natur, trotzdem wird wahrscheinlich kein Epistemologe ihm ein reiches Wissen bescheinigen wollen, so dass sich das so plausibel klingende Argument in Luft auflöst - sondern, weil wir sie zu einem Teil von uns machen können, denn diese Fähigkeit ist es, die Lebewesen von Steinen unterscheidet.
*(etwas naiver) naturwissenschaftlicher Erkenntnistheoretiker

Für mich ist die Wahrheit ein zielführendes Kriterium des Geistes zur Herstellung eines Gleichgewichts zwischen dem implizit Gewussten der rechten Hirnhemisphäre und dem explizit Gesagten der linken Hirnhemisphäre. Die Hemisphärenorganisation des Gehirns ist das Zeichen dafür, dass Lebewesen im Dialog mit sich selbst stehende selbstreferentielle Systeme sind.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
II. Das Verhältnis von Denken und Sein
Texte zur Philosophie und Hirnforschung
WissensTest zu II. - Fragen und Antworten zur Erkenntnistheorie und zur Hirnforschung
http://www.helmut-hille.de/wissen2.html


Helmut Hille
Definitionen philosophischen Tuns (1)
15.10.2014
aus WEGE DES DENKENS Seite "Autor": So vor mich hin gesprochen

Das Gehirn weiß objektiv nichts. Aber es weiß sich zu helfen. Und der Weise weiß eben dieses. So der Wissensillusion ledig, fängt er an zu verstehen.

Dem Humanum durch ungeschönte Wahrheiten Platz zu schaffen, sollte das erste Anliegen der Philosophen sein.

Jeder dogmatische Standpunkt macht die Menschen nur dumm und unehrlich und die Mächtigen dazu gewalttätig. Aufklärung heißt, der Dummheit schaden zu wollen.

Wer glaubt, ohne Kriterien urteilen zu können, kennt nur seine Kriterien nicht.

"Jeder Physiker hat eine Philosophie, und wer behauptet, keine zu haben, hat in der Regel eine besonders schlechte." (C.F. v. Weizsäcker)

Vor-Urteile bewusst zu machen und sie nach Prinzipien der Vernunft zu prüfen, ist die Aufgabe des Philosophen.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
II. Das Verhältnis von Denken und Sein
Texte zur Philosophie und Hirnforschung
(II/4) Was uns veranlaßt, eine Aussage für "wahr" zu halten
http://www.helmut-hille.de/wasunsve.html


Helmut Hille
Definitionen philosophischen Tuns (2)
15.11.2014
aus WEGE DES DENKENS Seite "Autor": So vor mich hin gesprochen

Niels Bohr sagte: "Wir müssen lernen, dass wir im Spiel des Lebens Zuschauer und Schauspieler zugleich sind." Nur so wandeln wir uns von Toren zu Weisen. Und um genau das geht es der Philosophie. Oder sollte es ihr gehen.

Diese Einsicht ist überhaupt nicht neu sondern geradezu der Impetus allen Philosophierens, sagte doch schon Laotse: "Andere erkennen ist klug, sich selber erkennen ist weise".

Und die je eigene Kompetenz und Arbeitsweise des Geistes zu erkennen und zu nutzen ist Aufgabe einer der Selbstfindung des Geistes dienenden Philosophia perennis - einer immerwährenden Philosophie.

Philosophieren ist das Ringen um die Freiheit des Geistes.

Weder kann Wissen ohne Weisheit, noch Weisheit ohne Wissen gelingen. Daher kommt es darauf an, beide zusammenzuführen und zu einem intelligenten Umgang mit Nichtwissen und menschlicher Subjektivität zu kommen.

Zur Würde des Menschen gehört es, unbeantwortbare Fragen auszuhalten.

Mehr als vernünftige Wahrheiten zu erwarten, ist unvernünftig.

Wer sein Verstehen nicht versteht, versteht letztlich gar nichts.

Wer Selbst-Verständliches nicht versteht, hat keinen Verstand.

Die Ursache eines Problems zu erkennen, ist dessen Ende. Wer "Erklärungen" benötigt, hat versäumt etwas zu klären.

So wie Newton einst mit selbst-verständlichen Axiomen begann, versuche ich, ebenfalls mit Selbst-Verständlichem beginnend, mich dem verständigen Leser verständlich zu machen.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
II. Das Verhältnis von Denken und Sein
Texte zur Philosophie und Hirnforschung
(II/4) Was uns veranlaßt, eine Aussage für "wahr" zu halten
http://www.helmut-hille.de/wasunsve.html


Helmut Hille
Was mich bewegt
15.12.2014
aus WEGE DES DENKENS Seite "Autor": So vor mich hin gesprochen

Es ist mein Bestreben, Zusammenhänge so einfach darzustellen, wie sie sind.

Meine Kritik ist weder zufällig noch punktuell.

Ich habe einen Hunger nach Argumenten.

Ich schreibe nur, wenn es mir Freude bereitet und folge so meinem inneren Licht - doch immer wieder zeigt sich, dass meine Gedanken auch hochaktuell sind.

Bei mir wird man nur wenig Philosophie als Philosophiegeschichte finden. Ich denke noch selbst.

Ich versuche nicht, etwas zu erklären, sondern es zu klären.

Nur Menschen mit echten Einsichten sind geistig mündig und stehen nicht in der Gefahr, von anderen manipuliert zu werden.

Die drei großen R, ohne die Wissenschaft nicht gelingen kann: Redlichkeit, Realitätssinn und Rationalität.

Die drei großen Z, welche für die unbelebte Natur keine Bedeutung haben: Zeit, Zahl und Ziele.

Meine drei großen Hoffnungen:
•  Meine Homepage enthält viele "Links". Ich hoffe, dass sie mehr und mehr zum Missing Link zwischen Philosophie und Wissenschaft wird.
•  Ich hoffe ferner, dass meine beiden Homepages halten, was man sich im Internet an Aufklärung verspricht.
•  Doch hoffe ich auch, dass die Philosophie nie zu einem Teil der alles zu Zwecken des Menschen vereinnahmenden Wissenschaft wird, als eine weitere Vereinnahmung, sondern ihr Widerpart bleibt: eine Mahnung, den Gegenständen der Erkenntnis sich selbstlos in Respekt und Liebe zu nähern - aus Liebe zur Weisheit eben und nicht aus Liebe am Nutzen der Dinge.

Die Liebe zur Weisheit ist es, die den Menschen intellektuell aus dem Tierreich heraushebt und die seine Würde ausmacht.
Lassen wir uns beides - Weisheit und Würde - niemals nehmen!

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
II. Das Verhältnis von Denken und Sein
Texte zur Philosophie und Hirnforschung
(II/8) Ursprung und Inhalt der Grammatik
http://www.helmut-hille.de/page23.html


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