Meine Kolumne "Philosophische Sentenz des Monats" auf der kommerziellen Website "Geschenke aus den Museen der Welt".
Philosophische Sentenzen von 2017


Helmut Hille
Ein Beispiel für Neurotheologie: Engel - Boten des Unbewussten
15.01.2017

"Es denkt, sollte man sagen, so wie man sagt: es blitzt." (Georg Christoph Lichtenberg, 1742 - 1799, Mathematiker und erster deutscher Professor für Experimentalphysik im Zeitalter der Aufklärung).

Ideen, Formulierungen und Urteile tauchen unvermittelt "blitzartig" aus dem Unbewussten auf. Wir nennen sie Intuitionen. Intuitionen sind die Botschaften des Unbewussten. Und dieses Unbewusste ist unser eigentliches verborgenes Selbst, das sich das Bewusstsein zu seiner Kontrolle hält. Aber das Bewusstsein weiß in der Regel davon nichts und hält sich fälschlich für souverän. Das geht soweit, dass bei Entscheidungen des Unbewussten, wenn sie bemerkt werden, sich Menschen als fremdgesteuert empfinden, woraus sich für sie das Problem der Willensfreiheit ergibt. Doch: "das Geheimnis der Freiheit ist der Mut." (Perikles) Unbewusstes (Unterbewusstes) und Bewusstsein sind letztlich eins. Und indem wir das akzeptieren und mit dem Unbewussten zusammenarbeiten, wie das schöpferische Ingenien tun, entwickelt sich unser Geistesleben aus den Tiefen unseres Verständnisses.

So vorbereitet fangen wir an zu verstehen, was es mit den Engeln auf sich hat, die in den Religionen schon lange eine wichtige Rolle spielen, zumeist als Boten Gottes und als solche auch als Friedensengel. Der hartnäckige Gottesgedanke ist dabei auch ein Produkt des Unbewussten, das die Welt rational verstehen will. Eine Schöpfung aus Nichts und durch nichts kann geistig nicht nachvollzogen sondern nur geglaubt werden, wohl aber als Werk eines schöpferischen Gottes als Ursache von allem was existiert, wobei offen ist, wie wir uns das Göttliche vorzustellen haben. Das zu analysieren gehört für mich zur Aufgabe der Philosophie, der sie bisher nur unzureichend nachgekommen ist. (s. hierzu die Dezember-Sentenz 2016 vom Geheimnis der Geburt)

Wo man noch nichts vom Unbewussten weiß, werden Eingebungen als Werk fremder Mächte empfunden, die Menschen sowohl zum Guten, als auch zum Bösen verleiten wollen. Die Festigkeit im Glauben kann dabei helfen, dem Bösen zu widerstehen. Da ist dann die Idee des Engels als Überbringer göttlicher Botschaften willkommen. So hat man Gewissheit, auf Gott und seine Gebote zu hören.

Moderne Theologen sehen Engel so: "Der Engel kommt ins Sein mit seinem Auftrag, er vergeht mit der Erfüllung seines Auftrags, denn seine Existenz ist Botschaft." Das ist m.E. eine religiöse Umschreibung von Intuition. Aber wie alle Intuitionen sollten wir sie nicht ungeprüft lassen, denn wir kennen ihre Prämissen nicht - das ist die Botschaft der Aufklärung. Aufklärung heute ist die Aufklärung der Beobachterrolle, damit wir nicht die Sklaven unserer Meinungen und Antriebe bleiben. Da souverän sein zu wollen ist der eigentliche Impetus des Philosophierens als das Ringen um die Freiheit des Geistes.

Zum Weiterlesen:
ZEIT UND SEIN
Texte in Versform
[5] Intuition will bedacht sein. Parmenides weist den Weg
http://www.helmut-hille-philosophie.de/intuition.html


Helmut Hille
Warum ich nach Bremen fahre
15.03.2017
In Anbetracht meines Alters wollte ich eigentlich an keiner Tagung der DPG (Deutsche Physikalische Gesellschaft) mehr teilnehmen, deren Tagungsort mehr als 100 km von meinem Wohnort Heilbronn entfernt ist. Bremen ist jedoch ca.600 km entfernt und die Tagung findet wie immer im März statt, wenn die Hochschulen Semesterferien haben und das Wetter wenig einladend ist. Als mich mein Fachverband, die Arbeitsgruppe Philosophie der Physik anschrieb, begann ich zu überlegen. Einerseits wollte ich gern als Abschluss meiner Vortragstätigkeit meine Auflistungen zu den gesicherten Befunden zur Gravitation und Kosmologie zusammengefasst einmal den Kollegen bekannt machen, auch weil sie m.E. geeignet sind, den Stillstand in der Theoretischen Physik und ihre Spaltung in Quantenphysik und Relativitätstheorie zu überwinden, was ihr größtes Problem ist, andererseits wollte ich auch einmal die Herausgeberin meiner inzwischen fast 150 Philosophischen Sentenzen des Monats, Frau Sandforth-Blanken, persönlich kennen lernen, die in Bremen zuhause ist und dort einen Onlineshop für wunderbare Museumsrepliken betreibt, wie die Leser der Sentenzen wissen.

So reifte allmählich mein Plan, doch dort hinzufahren. Ich werde also Mitte März in Bremen sein, gerade dann, wenn diese Sentenz erscheint. So jedenfalls meine Absicht. Zudem werde ich voraussichtlich auch Prof. Lämmerzahl treffen, der die Tagungsleitung hat und als Inhaber des Bremer Lehrstuhls "Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation" (ZARM) für den in Europa einzigartigen 146m hohen Fallturm zuständig ist und der hoffentlich Gelegenheit gibt, den Turm auch einmal näher zu besichtigen. Prof. Lämmerzahl ist zudem Sprecher des DPG-Fachverbandes "Gravitation und Relativitätstheorie", vor dem ich zuletzt 2011 am KIT (Karlsruher Institut für Technologie) Gedanken zur Schwerkraft vorgetragen habe und der mir mit Mail vom 14. Okt. 2011 zustimmte, dass "die klassische Welt aus der quantenmechanischen folgen sollte", warum es mir bei meinen gesicherten Befunden zur Gravitation geht, die ich quasi im Nachgang zu meinem Vortrag in Karlsruhe im Juni 2011 niedergeschrieben hatte.

Im Juli 2013 erweiterte ich die Befunde um die gesicherten Befunde zur Kosmologie, wodurch sich eine Gesamtschau ergab, durch die auf Grundlage der Quantenphysik die Einheit der Theoretischen Physik wieder herstellt werden kann, was das größte Ziel der Physiker sein müsste. Meine Schlussfolgerung lautet:

Es gibt also nicht nur kein Problem zwischen der Gravitation und den Teilchen,
ganz im Gegenteil:
erst die Quantenphysik macht uns die Gravitation und den Kosmos verständlich.

Aber sie macht eben auch anders lautende Theorien überflüssig, was zu akzeptieren den Anhängern der Relativitätstheorie sicher schwer fallen wird, obwohl der seit vielen Jahrzehnten anhaltende gespaltene Zustand der Theoretischen Physik, den der amerikanische Physiker Richard Feynman "die Melancholie des 20. Jahrhunderts" nannte, höchst unbefriedigend ist. Aber wie der kürzlich verstorbene ehemalige Deutsche Bundespräsident Roman Herzog sagte, um Reformen anzumahnen: "Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen", ebenso muss man heute sagen: Es muss ein Ruck durch die Köpfe der Physiker gehen, damit sie wieder zu sinnvoller Arbeit kommen, als immer nur neue immer teurere Versuche zu unternehmen, das Unvereinbare scheinbar doch noch zu vereinbaren. Viele Physiker machen in der immer erfolgreicher werdenden Quantenphysik mit, ohne sie innerlich akzeptiert zu haben, weshalb es an konzeptionellen Fortschritten in ihr fehlt. Ich aber kann zeigen, dass durch die vorurteilsfreie Auflistung der gesicherten Befunde sich ein Weltbild von großer Einfachheit, Klarheit und Schönheit ergibt, das physikalisch nicht übertroffen werden kann.

Zum Weiterlesen:
ZEIT UND SEIN
Tagungsbeiträge
(8) DPG 2017: Die gesicherten Befunde zur Gravitation und Kosmologie
http://www.helmut-hille-philosophie.de/anhang8.html


Helmut Hille
Erinnerung und Wahrheit
15.04.2017
Erinnerungen sind normalerweise etwas Flüchtiges, das immer wieder neu aufgerufen werden muss und sich dabei verändern kann, wie Forschungen belegen. Der Zeuge vor Gericht, der vom Richter aufgefordert ist, "die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" zu sagen, kann auch bei besten Willen sich irren. Oft soll er sich an Ereignisse erinnern, die er nur flüchtig wahrgenommen hatte und die für ihn ohne Bedeutung waren, so dass er nicht veranlasst war, sich mit ihnen intensiv auseinander zu setzen. So bleibt vieles Wissen vage.

Die Situation vor Gericht zeigt, wie abhängig unser Wissen von unserem Gedächtnis ist. Und wer infolge von Demenz sein Gedächtnis ganz verliert, verliert auch jede soziale Fähigkeit, die ihn mit anderen verbindet. Für ihn gibt es keine Wahrheiten mehr. Die Wahrheit ist also etwas Relatives, abhängig vom Wissen, auf das wir geistig Zugriff haben. Niemand wird also etwas "für wahr" halten können, von dem er nichts weiß, ohne dass der Wahrheitsbegriff jeden Sinn verliert.

Damit erledigt sich die Frage, was Wahrheit ist in dem Sinne, dass es außerhalb unseres Wissens eine Wahrheitsinstanz gäbe, die unabhängig vom Wissen existierte. Natürlich versucht das Gericht sich auch auf Fakten wie Fotos und Fingerabdrücke zu stützen, die aber ebenfalls der Interpretation unterliegen und damit vom Wissen abhängig sind. Der Sachverständige vor Gericht ist deshalb nicht im Besitz einer absoluten Wahrheit, sondern kann bestenfalls nur - und dass erwartet man von ihm - nach dem letzten Stand der Erkenntnis urteilen. Das zu verstehen, gehört zur Weisheit des Gerichts.

Der Weise weis eben, dass er im absoluten Sinne nichts weiß, dass er bei sorgfältiger Abwägung seiner Kenntnisse nur ein ihm bestmögliches Urteil fällen kann. In Anbetracht dieser unaufhebbaren Situation kennt das Gerichtswesen weitere Instanzen, die Urteile überprüfen können. Die Jurisprudenz ist die älteste Wissenschaft, weil sie der Spiegel menschlicher Erkenntnismöglichkeit ist, die schon immer gefordert war. Die Griechen unterschieden dabei zwischen den Göttinnen Themis und Dike. Themis ist die Göttin der Rechtsordnung (das positive Recht), Dike die Göttin der Rechtsprinzipien, nach denen geurteilt wird, z.B. wo eben auch gilt "im Zweifel für den Angeklagten."

Wenn es das Ideal ist, nur nach besten Wissen und Gewissen zu urteilen, wofür Justitia mit verbundenen Augen steht, mit der Waagschale in der Hand, alles rein geistig gegeneinander abwägend, dann zeigt sie uns die Möglichkeiten und Grenzen menschlichen Urteilsvermögen, weshalb wir immer Weisheit gelten lassen sollten, wollen wir gerecht sein.

Das sollten auch stets die Philosophen bedenken, wenn sie das Verhältnis von Sprache und Welt zu klären versuchen. Es ist zwar richtig, dass es da einen Klärungsbedarf gibt. Doch wie der Klagenfurter Philosoph Josef Mitterer zeigt, gibt es keine Dichotomie (Zweiteilung) von Sprache-Welt, Beschreibung-Objekt, Aussage-Gegenstand usw., sondern dass es eine Illusion oder Manipulation ist, dass man sich beim Sprechen auf eine Welt oder auf Objekte außerhalb unserer Sprache beziehen könnte. Das Objekt des Sprechens ist immer das bisher Gesprochene und nur auf dieses kann rekurriert (zurückgegriffen) werden. "Wir sind mithin in der Situation, in der wir das Objekt der Beschreibung von der Beschreibung des Objekts nicht unterscheiden können." (Walter Grasnick in seiner Buchbesprechung) Goethe dazu: "Der Gedanke lässt sich nicht vom Gedachten trennen." Oder wie ich verallgemeinernd ergänze: wir können uns immer nur auf das beziehen, über was wir geistig als Wissen verfügen. Oder wir sollten schweigen, wie Wittgenstein sagte.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
II. Das Verhältnis von Denken und Sein
(II/3) Buchbesprechung: Mitterer/Das Jenseits der Philosophie
http://www.helmut-hille.de/mitterer.html


Helmut Hille
Der dunkle Kosmos
15.05.2017
Seit dem man seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts weis, dass der Kosmos expandiert, könnte man auch wissen, dass die astronomischen Objekte von 2 Kräften beherrscht werden: der Gravitation und der kosmischen Fliehkraft. Beide Kräfte wurden ihnen durch die Superexplosion am Anfang, "Urknall" besser aber "Big Bang" genannt, verliehen und beide sind immer zugleich da! Während aber die kosmische Fliehkraft den Kosmos auseinander treibt, versucht die Gravitation die kosmischen Körper wieder zu vereinen. Da wo Flieh- und Gravitationskraft im Gleichgewicht sind, wo sie sich also gemeinsam zeigen, gibt es das, was wir als stabile Planetensysteme, Galaxien und sehr alte Kugelsternhaufen kennen - doch sind sie alle in die allgemeine kosmische Bewegung, vom Ort des Big Bang weg, eingebettet.

Das rechnerische Ergebnis unterschiedlicher Kräfte an einem Ort nennt man eine Resultierende oder auch Resultante, also das Ergebnis - Resultat - aus Kraft und Bewegungsrichtung der Beteiligten, wie das stets auch in der Baustatik berücksichtigt werden muss, wie ich gelernt habe. Die Kosmologie wird bis heute aber von Einsteins Vorstellungen und Gleichungen beherrscht, der sich jedoch ein statisches Universum wünschte. In seinen Gravitationsgleichungen kommt also kein Expansionsfaktor vor. Im Gegenteil. Er versuchte sogar mit einer eigens erdachten Formel, den kosmologischen Term, den Kosmos rechnerisch im konstanten Zustand zu halten, der sich aber nicht erwies.

Wie Kopernikus bis an sein Lebensende vergebens nach einem Fehler in seinen Berechnungen der Planetenbewegungen suchte, weil er irrtümlich von Kreisbahnen der Planeten ausgegangen war statt von Ellipsen, wie sich später vor allen dank Kepler und Newton herausstellte, so haben wir es heute in der Kosmologie mit dem Rechenfehler zu tun, dass den Gravitationsgleichungen für große kosmologischer Objekte ein Term für die allgemeine Expansion fehlt, obgleich er eigentlich naheliegend ist. Aus allzu großen Respekt vor Einsteins Gleichungen möchten Kosmologen statt der Gleichungen lieber die Natur korrigieren und haben sich dazu eine unbekannte Dunkle Materie und Dunkle Energie ausgedacht, nach denen heute mit viel Aufwand gesucht wird. Die Dunkle Materie außerhalb der Galaxien soll erklären, warum ihre äußeren Galaxiebereiche schneller rotieren, als sich aus Einsteins Gleichungen ergibt. Die Dunkle Energie wäre dafür verantwortlich, dass der Kosmos immer schneller expandiert. So haben wir heute die Situation, dass mit den verwendeten Gleichungen ohne diese hypothetischen Größen nur noch ein kleiner Teil der Berechnungen brauchbar ist. Andererseits könnte man aber auch sagen, wie Recht Einstein doch gehabt hat, in die Gravitationsgleichungen einen zusätzlichen Term einzuführen, nur dass er ihn, seiner Mentalität gemäß, eine falsche Richtung gab.

Zusätzlich machen viele Kosmologen den Fehler, von einer Erlahmung der Expansionsbewegung auszugehen, analog wie das einen Wanderer passiert der ermüdet, was aber in der Physik, in Anbetracht des Satzes von der Erhaltung der Energie als oberstes Kriterium, unzulässig ist. Da wo Materiemengen sich voneinander entfernen wird nur der Einfluss der Gravitation aus den zurückbleibenden Objekten immer kleiner und somit der Anteil der kosmischen Fliehkraft an der Resultierenden prozentual immer größer - das heißt: der Kosmos expandiert und zwar immer schneller, wie wir heute wissen, bis die von der Gravitation ungedämpfte Explosionsgeschwindigkeit erreicht sein wird! Ähnlich ist es auch in den Galaxien: je mehr eine Galaxie räumlich wächst, umso geringer wird die Schwerewirkung der inneren Nachbarsterne und des schwarzen Lochs in ihrem Zentrum auf die äußeren Sterne und umso schneller rotieren sie um das galaktische Zentrum, weil die immanente kosmische Fliehkraft stärker zur Geltung kommen kann. Hinzu kommt, dass infolge der Quantelung der Energie die Reichweite von Gravitationsfeldern begrenzt ist, was zusätzlich berücksichtigt werden muss. Es bedarf also weder einer Dunklen Materie noch einer Dunklen Energie, um das kosmische Geschehen zu verstehen. Wer freilich wegen seines deterministischen Weltbildes immanente Ursachen nicht gelten lassen will, dem wird meine Argumentation mit immanenten Größen befremdlich erscheinen. Ich aber versuche von der Sache her zu denken, weshalb ich keine Hilfsannahmen brauche. Und immer gilt es, auch in der Kosmologie, den Erhaltungssatz der Energie ohne Wenn und Aber zu beachten, soll Physik Wissenschaft bleiben.

-  Der Kosmos ist also keineswegs dunkler als wir ihn sehen.  -

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
(www.helmut-hille.de)
ZEIT UND SEIN (www.helmut-hille-philosophie.de)


Helmut Hille
Warum Menschen glauben und nach Sinn suchen
15.06.2017
Hier sei zuerst an Kants berühmten Satz erinnert "Die Vernunft stellt mehr Fragen, als sie nach ihrer Natur beantworten kann." Vorausgesetzt ist, dass es sich um vernünftige Fragen handelt, denn es ist ja die Vernunft, welche fragt. Und was macht der Mensch mit Fragen, die ihn bewegen, die er sich aber nicht beantworten kann: er glaubt, er glaubt an plausible Antworten, die seinem Wissensstand und seinem Interesse dienen. Also nicht an beliebige Antworten, die für ihn wenig bis keine Bedeutung haben. Damit ist eine, wenn nicht gar die Grenze überhaupt noch vernünftigen Glaubens aufgezeigt. Denn "wahr" ist, was sich bewährt!

Um sich ein Bild von der Welt zu machen und seinen Ort darin zu finden geht es vor allem um die Frage nach dem Ursprung der Welt und nach der Art der schöpferischen Kraft, welche die Natur regiert, die bis heute selbst bei Naturwissenschaftlern zumeist mit "Gott" beantwortet wird. Lassen wir zuerst einmal die Frage nach der Natur Gottes außen vor, so ist dies eine rational nachvollziehbare Antwort, denn von Nichts kommt nichts. Die Ratio verlangt, dass es für das Sein ein Unerschaffenes und ewig Existierendes geben muss. Das ist also gerade kein Glaube und es war von der Kirche konsequent für den Big Bang der Physiker Gott als Schöpfer zu sehen.

Der Fehler liegt hier bei den Physikern, bei ihrem notorisch schlechten Sprachgebrauch, welche den von uns bewohnten und beobachtbaren Kosmos als "Universum", also als das All-Eine bezeichnen. Oder genau so schlecht, wenn auch schon etwas fortschrittlicher ist es, wenn sie von "Multiversen" reden, was ein Widerspruch in sich ist, denn es kann nur ein All-Eines geben! Haben wir dieses wirklich All-Eine akzeptiert, dann ist die Gottesfrage nach dem Ursprung unserer Welt, nämlich unseres Kosmos beantwortet, denn das Universum ist das ewig Existierende. Aber wie bisher schon Gott nicht hinterfragbar war, so gilt es auch, das Universum ohne Wenn und Aber zu akzeptieren. Die Frage nach seiner Herkunft oder seinem Ziel ist unvernünftig, denn dann wäre das Sein nicht mehr ursprünglich. Es ist einfach da! Und das ist kein Glaube sondern Fakt.

Für das Schöpferische in der Welt hat die englische Metaphysik den Begriff der "Emergenz" geprägt. Emergenz ist durchgehend: Emergenz bezeichnet das "Auftauchen" vorher nicht vorhandener Eigenschaften bei der Verbindung oder dem Auseinanderfall qualitativ unterschiedlicher Komponenten. So wie Kernbausteine und Elektronen sich zumeist dauerhaft zu Atomen verbinden, so wie die Verbindung von Sauer- und Wasserstoff Wasser ergibt, so wie die Verschmelzung elterlicher Gene ein von ihnen verschiedenes Lebewesen wachsen lässt, so machen die kognitiven Strukturen des Gehirns aus objektiven Daten Informationen, und schaffen so auch hier eine neue Qualität, die wir die geistige nennen.

Kommen wir noch zu der Menschen immer wieder bewegenden Sinnfrage, nicht nur nach dem Sinn des Handeln und Schaffens, wo sie zu stellen ja vernünftig ist, sondern nach der des Lebens oder gar der Welt. Weil eben die Ratio vernünftigerweise immer Begründungen sucht, so fragt sie auch nach welchen in diesen Fällen. Aber wir sollten uns da nicht beirren lassen. Wie die Existenz des Universums weder Gründe braucht noch logisch verträgt, so ist auch das Leben zuerst einmal da. Aber nicht die Individuen, nicht einmal Spezies sind das sich zeitlich Durchhaltende, sondern die spezielle Organisation von Materie ist es, niedergelegt in den Genen jeder Zelle. Aufgabe der Individuen ist dabei, diese Gene an die nächste Generation weiterzugeben, also für Nachwuchs zu sorgen. Das ist der biologische Sinn des Lebens. Aber geistig müssen wir uns selber einen Sinn geben, denn der Geist ist nur im Menschen zuhause.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
(www.helmut-hille.de)
ZEIT UND SEIN (www.helmut-hille-philosophie.de)


Helmut Hille
Das Janusgesicht der Determination
15.07.2017
"Wer immer etwas hinter die Dinge zu sehen versucht, sieht am Ende die Dinge selber nicht mehr". (Augustinus, 354 - 430) - Hat sie vielleicht auch noch nie richtig gesehen.

Ganz am Anfang der Menschheitsgeschichte, als man noch der Natur ausgeliefert war, sah man, schon nach Ursachen suchend, für das Naturgeschehen in Analogie zum Lebendigen unsichtbare lebendige Wesen am Werke, vornehmlich Götter, die man durch Opfer und Gebete gnädig zu stimmen versuchte. Da das nur selten gelang, begannen in der Antike kluge Köpfe darüber nachzudenken, ob da nicht stattdessen irgendwelche unbestechlichen Naturgesetze walten oder ob es gar die Eigenschaften der Dinge selber sind, die ihr Verhalten bedingen. Es entstand die Frage nach der Determination des Geschehens, wobei offen blieb, ob die Determination von der Natur der Dinge abhängt, ihnen also immanent ist, oder ob da irgendwelche Naturgesetze walten, welche die Dinge lenken, ähnlich wie zuvor die Götter, doch eben unbestechlich.

Wir können das Bemühen um die Klärung dieser Frage am besten am Begriff der Trägheit verfolgen. Ein Körper ist träge, wenn er Änderungsversuchen seiner Lage Widerstand entgegensetzt, je mehr Materie er hat, umso mehr. In Newtons Principia heißt es 1697 dazu in Definition III: "Die der Materie eingepflanzte Kraft ist die Fähigkeit Widerstand zu leisten, durch die jeder Körper von sich aus in seinem Zustand der Ruhe oder in dem der gleichförmig-geradlinigen Bewegung verharrt." Newton sagte vorsichtshalber zwar, dass die Trägheit der Materie eingepflanzt wäre, doch wohl von Gott, dass aber danach jeder Körper von sich aus in seinem Zustand zu beharren versucht. Wegen dieser Auffassung von Immanenz wurde Newton (1643 - 1727) von Leibniz (1646 - 1716) am englischen Königshof der Gottlosigkeit bezichtigt, was ein schwerer Vorwurf war, noch dazu, da der englische König das Oberhaupt der anglikanischen Kirche ist.

Aber auch bei den Materialisten hatte und hat die Immanenz kaum Freunde, wohl weil sie auf die Verantwortung des Menschen für sein Reden und Tun hinausläuft, was jedoch niemand will und offen sagt. Der Physiker und Theoretiker Ernst Mach stellte freihand die Behauptung auf, dass die Trägheit den Körpern "von fernen Fixsternmassen" verliehen würde (Machsches Prinzip) - die Dinge vor Ort täten also nur so, als ob sie träge wären - also alles nur Theater? Im Standardmodell der Teilchen kommt die Masse, als das Maß der Trägheit, erst gar nicht vor. Aber wegen ihrer Unverzichtbarkeit für Wechselwirkungen wurde von Peter Higgs ein Feld ersonnen, das an Stelle der Eigenträgheit für den Widerstand der Teilchen sorgen würde - die Masse als das Maß der Trägheit ein Teilchen! Absurd! In der Welt größten Maschine am CERN hat man daher jahrelang versucht, aus diesem Feld Funken zu schlagen, um den "Beweis" für das Higgsfeld zu haben. Aber was in den Beschleunigern durch Einsatz riesiger Energien und deren Umwandlung erzeugt wird, kommt generell in der Natur gar nicht vor, weshalb diese Kunstnatur ein eigenes Forschungsgebiet ist, das wenig bis nichts über die wirkliche Natur beweist. Der US-Physiker Steven Weinberg (*1933) dazu: "Fast alle Teilchen, deren Felder im modernen Standardmodell der Teilchen und Wechselwirkungen auftreten, zerfallen so schnell, dass sie in gewöhnlicher Materie nicht vorkommen und im Leben der Menschen keine Rolle spielen", weshalb wir uns trotz des Nobelpreises für die Theorie nicht beeindrucken lassen sollten.

Auch zeigte sich hier das Janusgesicht von Determination: weil das Higgsfeld die Teilchen steuern würde, wird das mühsam herausgeschlagene Higgsboson auch "Gottesteilchen" genannt. Und auch Machs den Körpern Mächtigkeit verleihende "ferne Fixsternmassen" waren so etwas wie ein Gottesersatz, ohne den in der unbelebten Natur nichts geschehen würde. Ich denke einer demokratisch verfassten Gesellschaft sind solche für mich überflüssigen und feigen Theorien nicht hinnehmbar, sind sie doch eine Flucht aus der Realität und vor der Verantwortung des Menschen. Gerade in der Situation in der die globale Menschheit heute steht, kommt es darauf an, dass jeder die Dinge so sieht, wie sie sind und alle sich ihrer Verantwortung für die Zukunft des Planeten bewusst sind und danach handeln.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
III. Die Hervorbringung des Menschlichen
(III/9) Grundlagen einer holistischen Ethik
http://www.helmut-hille.de/ethik.html


Helmut Hille
Hat die Welt einen Anfang? (I)
15.08.2017
Probleme in der Wissenschaft sind oft genug die Probleme eines an die Fakten nicht angepassten Denkens. Es ist daher oft hilfreich, sich über seine Überzeugungen Klarheit zu verschaffen und sich zu fragen, wie begründet sie denn sind, und nicht, sie mit allen Mitteln rechtfertigen zu wollen, wie ich es gerade wieder erlebt habe.

Nicht nur für viele Physiker stellt sich die Frage "Urknall oder Schöpfung?", um eine Alternative zu den Lehren der christlichen Kirchen zu finden. Hierzu wird von den Medien gern Stephen Hawking bemüht, der aufgrund seiner Erkrankung (ASL) eigentlich gar nicht mehr in der Lage ist, sich differenziert zu äußern, dem dies jedoch wohl schon immer ein Anliegen war. Auf Kanal N24 konnte man am 27. Juni 2017 unter Berufung auf ihn eine ausführliche Darstellung einer atheistischen Sicht des Anfangs der Welt sehen. Die Sendung lief auf die Frage hinaus, ob der Urknall eine Ursache gehabt haben muss, was sie verneinte, weshalb das Gottesproblem gelöst wäre. Man bemühte dazu Einsteins Vorstellung der Zeit als einer realen Sache, die mit dem Urknall erst in die Welt gekommen wäre, weshalb es davor keine Zeit für einen Gott gegeben haben könne. Dasselbe wird vom Raum behauptet. Doch Raum ist gerade da, wo nichts ist, weshalb es absurd ist, von der Entstehung des Raumes zu sprechen. Den Raum als Objekt gibt es nicht, kann es nicht geben. Kognitiv ist der Raum die Ordnung des Neben-, Über- und Hintereinander, genannt die 3 Dimensionen, die menschlicher Geist zu unterscheiden vermag. Durch unser Erinnerungsvermögen, das abfolgende Zustände miteinander vergleicht, kommt noch die Zeit als die Ordnung des Nacheinanders als 4. Dimension hinzu. Doch außerhalb von Gehirnen gibt es nichts, was man die Zeit nennen könnte. Real ist nur die Gegenwart - und die ist zeitlos.

Abgesehen davon, dass hier gegen eine Gottesvorstellung angekämpft wurde, die für mich eher einem naiven Kinderglaube ähnelt, war die Sendung zugleich ein Kampf gegen die Grundlagen der ganzen Physik, nämlich dem Satz von der Erhaltung der Energie, weshalb jedes Ereignis eine Ursache haben muss. Wenn lt. Hawking schon der Urknall keiner Ursache bedarf, dann ist die Berufung auf "Naturgesetze" für die Folgen wenig überzeugend. Die könnten dann erst recht keiner Ursache bedürfen, sondern einfach so geschehen.

Logisch richtig ist jedoch, dass zur Entstehung unseres Kosmos es ein Unerschaffenes ohne Ursache gegeben haben muss, dass jedoch kein ursachenloses Ereignis gewesen sein kann, sondern ein Sein. Das ist der Ursprung des Gottesbegriffs, den unsere unbewusste Intelligenz fordert, weshalb er so hartnäckig ist. Die Idee Gottes ist also gerade kein Glaube sondern eine logische Bedingung von Existenz, unabhängig davon, wie Menschen sich Gott denken. Stephen Hawking und seine Anhänger, die aus Scheu vor Gott nicht fragen dürfen, was vor dem Urknall war, versuchen den Urknall selbst als Gottesersatz zu etablieren, was aber nur unter der Verletzung des obersten Kriteriums der Physik, dem Erhaltungssatz der Energie, möglich ist, und sie somit ihrer Grundlage beraubt. Hier wird ersichtlich, dass es nicht um Wissenschaft geht, sondern um eine Überzeugung, wenn nicht gar um eine materialistische Ideologie, die mit allen Mitteln "bewiesen" werden soll. Wer Probleme durch Hypothesen "löst" hat das Problem, seine "Lösung" und deren Probleme - ganz massive sogar, wie man hier ersieht. Suchen wir also nach einem Ausweg. Das Rätsel des sog. "Urknalls" liegt auch hier, wie so oft in der Physik, in der richtigen Verwendung der Sprache und in der Erweiterung ihres Denkhorizonts.

(Fortsetzung folgt)


Helmut Hille
Hat die Welt einen Anfang? (II)
15.09.2017
"Jede letzte Tatsache ist nur die erste einer neuen Reihe; jedes allgemeine Gesetz erweist sich als Teil eines noch allgemeineren Gesetzes, das nur darauf wartet, sich uns zu erschließen und unseren Horizont zu erweitern." (Ralph Waldo Emerson 1803 - 1882)

Es ist auf Grund der Beobachtungen von Astronomen richtig zu sagen, dass der von uns beobachtbare Kosmos (wie ihn die Griechen nannten), einen Anfang hatte, ein Ereignis, im Englischen korrekt "Big Bang", im Deutschen gern mythisch verklärt "Urknall" genannt. Der Urknall wäre dann der Urknall unseres Kosmos, der - wie man heute weiß - sich zunehmend beschleunigt in den Weiten des Weltraums verliert, was bei manchen Zeitgenossen ein leichtes Gruseln verursacht. Es käme also darauf an, über den Tellerrand, sprich Kosmosrand, hinaus zu denken und auf Grund des Energieerhalts zu sagen: Die Kosmen kommen und gehen, doch die Energie, das Universum bleibt. Oder wie es schon in einem der ältesten Sätze der antiken Philosophie heißt: "Der Ursprung der seienden Dinge ist das Unbegrenzte. Denn aus diesem entstehe alles und zu diesem vergehe alles. Weshalb auch unbeschränkt viele Welten produziert werden und wieder vergehen zu jenem, aus dem sie entstehen." (Anaximander aus Milet, ca. 611 - 545) Damit wäre dann das zeitliche Gottesproblem durch die Erweiterung des Denkhorizontes ganz unspektakulär gelöst. Sein ist - ohne Wenn und Aber.

Es bleibt jedoch die Frage nach der schöpferischen Kraft, die in den Dingen waltet, wie wir sie gerade im Lebendigen mit seiner unendlichen Vielfalt wirksam sehen. Darwin hat da zwar viel zur Aufklärung der Gründe von Vielfalt beigetragen, aber doch nicht die Frage beantworten können, wie überhaupt das Lebendige in die Welt gekommen ist und wie es zur Entstehung von Bewusstsein und Geist kam, den Materialisten aus ideologischen Gründen deshalb lieber gleich leugnen. Dabei ist nichts so rein geistig wie eine Ideologie.

Die am Lebendigen überwiegend zu beobachtende Art der Fortpflanzung ist die der geschlechtlichen Vermischung zweier DNA-Stränge verbunden mit der Neukombination ihrer Chromosomen (Meiose), trotz aller Risiken, ist sie doch das Ende der genetischen Gefangenschaft. Es ist das Prinzip der innigen Verbindung zweier ungleicher Partner, sei es bei den Atomen, den Molekülen, den Lebewesen und auch der Wahrnehmung, bei der sich die durch die Sinne hereinkommenden neutralen Daten mit den kognitiven Möglichkeiten und den Erwartungen des Lebewesens verbinden. Aus dieser nicht leicht aufzuklärenden Mischung entsteht etwas Neues, das wir beim Menschen den Geist nennen, der sein Denken und Handeln bestimmt. Nein, der Geist fiel nicht vom Himmel.

Parmenides (um 540 - 480) beschreibt das schöpferische Prinzip in seinem Lehrgedicht über das Sein so:
      "Als ersten von allen Göttern ersann sie (die gebietende Göttin) den Eros."
      "Wenn Frau und Mann zusammen die Keime der Liebe mischen,
      formt die Kraft, die diese in den Adern aus verschiedenem Blute bildet,
      wohlgebaute Körper, wenn sie nur die Mischung bewahrt."
      "Wie der Nous (Geist) je die vielirrenden (unwissenden) Glieder gemischt sieht,
      so ist er den Menschen beigegeben:
      denn es ist immer dasselbe, was da als Art der Glieder auch in den Menschen sinnt:
      bei allem und jeden - das Mehr an Mischung nur ist ihnen Gedanke."

Diese hier nur teilweise wiedergegebenen Strophen gehören für mich zu den Schlüsselszenen seines Gedichts, da sie die das Prinzip des Schöpferischen beschreiben. In der englischen Metaphysik nennt man dieses "Emergenz", d.h. das "Auftauchen" neuer Eigenschaften aus dem Urgrund, die es zuvor nicht gegeben hat und die auch nicht direkt aus den beteiligten Partnern abgeleitet werden können. "Alle Anfänge liegen im Dunklen" wie man weiß, dem auch die Quantenphysik Rechnung tragen muss, wo man immer nur das Ergebnis aus Zustand und Messung erfährt, was den Deterministen gar nicht gefällt, weshalb es die Quantenphysik immer noch schwer hat, in ihrer vollen Bedeutung anerkannt zu werden (wie getestet: selbst in der Heisenberg-Gesellschaft).

Legen wir also alle Denkzwänge ab und geben uns den Möglichkeiten des Seins offen hin:
      "Und er wird sehen, dass derjenige, in dessen Geiste sich die Welt spiegelt,
      in einem Sinne so groß wird wie die Welt selbst.
      Frei von den Ängsten, die den Sklaven der Verhältnisse befallen,
      wird er echte Freude kennen
      und durch alle Wechselfälle seines äußeren Lebens hindurch
      in den Tiefen seines Wesens von Glück erfüllt bleiben."
      (Bertrand Russel, 1872 - 1970: "Eroberung des Glücks")

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
II. Das Verhältnis von Denken und Sein
(II/5a) Parmenides im Klartext
http://www.helmut-hille.de/parmeni.html


Helmut Hille
Zeit und Uhr
15.10.2017 ?
"Wer an die heutige PTB denkt, dem fällt als erstes gewiss die "Zeit" ein, deren Geheimnis zwar auch die Physiker nicht aufdecken können, die sich aber genau so messen lässt wie nichts anderes in der Welt." (Pressemitteilung zum 125-jährigen Bestehen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt vom 28. März 2012)

Das Maß der Dauer
Wie wir wissen, ist ein weitgehend zuverlässiges Maß von Dauer die Dauer des Tages. Internationale Einheit der Dauer ist die Sekunde, als der 86.400 Teil eines mittleren Sonnentages. Für wissenschaftliche Zwecke werden jedoch Atomuhren genutzt. Differenzen zwischen der Internationalen Atomzeit IAT, die durch Mittelung aus einer Anzahl internationaler Atomuhren festgelegt wird, und der aus astronomischer Beobachtung gewonnen Weltzeit UT (universal time), die nach Korrekturen infolge von Polbewegungen der Erde als UT1 bezeichnet wird, werden halbjährlich durch Schaltsekunden ausgeglichen. Aus dem Vergleich von IAT und UT1 wird nach internationaler Vereinbarung die Koordinierte Weltzeit UTC festgelegt, die Normzeit und Zeiterleben im Einklang hält.

Die Uhr
Analoge, d.h. kontinuierlich gehende Uhren stellen nur den Sonnengang als Spiegel der kontinuierlichen Erddrehung nach. Im "Uhrzeigersinn" heißt: wie der Gang der Sonne von links (Osten) nach rechts (Westen) auf der Nordhalbkugel erlebt wird*, so dass man bei Sonnenschein anhand des Stundenzeigers die Himmelsrichtungen ablesen kann, mit 12 Uhr (ohne Sommerzeit) = Süden. Für das 12-Stunden-Zifferblatt ist 3 Uhr Südwesten, 6 Uhr = Westen. Bei digitalen Uhren dagegen springt die Zeitanzeige von Sekunde zu Sekunde ohne jede weitere Bedeutung. Uhren geben Zeitpunkte - das ist alles, was man über den Sinn von Uhren wissen muss und wissen kann! Was gibt es daran nicht zu verstehen?
*dabei analog zur Erde sich kontinuierlich = gleichmäßig über ein Ziffernblatt mit gleichmäßig verteilten Ziffern und/oder Punkten bewegend, den Zeitpunkten eben, anhand derer wir die Uhrzeit = den Stand der Sonne benennen können.

Der Maßstab
Die Zeit ist also ein Maßstab, nämlich der der Dauer, und ihre Bestimmungsstücke, wie Sekunde, Minute, Stunde, mittlerer Sonnentag und Jahr, sind - wie alle anderen Maßeinheiten - durch internationale Konventionen bestimmt. Alles Messen ist ein Vergleichen! Die Messung einer Dauer ist als Kognitionsmuster das Vergleichen einer unbekannten Dauer eines Zustands oder Ereignisses mit der durch Uhren bekannten Dauer des Tages und seiner Teile und Vielfache, wodurch die unbekannte Dauer, wie bei jeder anderen Messung auch, uns bekannt wird. Schon Newtons Definition der "relativen Zeit", also der für Relationen, d. h. für Messungen benutzten Zeit, als "ein beliebiges sinnlich wahrnehmbares und äußerliches Maß der Dauer, aus der Bewegung gewonnen" war von tiefer Einsicht in das Wesen der Zeit als Maß und Kognitionsmuster geprägt. Es kann also keine Rede davon sein, dass sich die Zeit "messen lässt", wie man in der PTB noch immer glaubt, denn sie ist der Maßstab des Messens (von Dauer) und muss definiert werden. Normgrößen sind keine Frage der Wahrheit sondern der Geltung. Wie will man denn ohne zuvor definierte Messgrößen irgendetwas messen? Messen ist ein geistiger Akt mit geistig gesetzten Größen, der ein quantitatives Wissen vermittelt. Instrumente messen nicht - sie zeigen nur an!

Die Weltzeit
Auf der Washingtoner Meridiankonferenz von 1884 einigte man sich auf den Meridian (Längenkreis) durch Greenwich als Nullmeridian und auf die Greenwich Mean Time (GMT) als erste allgemein gültige Weltzeit. Die GMT ist die durch astronomische Messungen bestimmte mittlere Ortszeit des durch die Sternwarte von Greenwich führenden Meridians. 1928 wurde diese in Universal Time (UT) umbenannt. Seit 1972 verwendet man als Weltzeit die durch Atomuhren dargestellte Koordinierte Weltzeit (UTC) (Wikipedia). Diese Weltzeit, in Zeitzonen gegliedert, gilt überall auf der Welt, ebenso für Astronauten im Orbit und darüber hinaus. Und wenn eine Uhr vom Zeitnormal abweicht, geht sie schlicht falsch und sonst gar nichts. Und ohne dieses vorausgesetzte Zeitnormal macht die Aussage, dass eine Uhr "falsch" geht, überhaupt keinen Sinn. Das gilt für alle international vereinbarten Messgrößen wie z.B. auch für Länge (Meter) und Trägheit (Masse). Wer an verantwortlicher Stelle etwas anderes von einer solchen Messgröße wie die der Zeit behauptet und sie vielleicht auch noch forsch zu relativieren versucht, hat nicht nur keine Ahnung was messen heißt, sondern legt darüber hinaus in subversiver Weise leichtfertig Hand an eine der mühsam erarbeiteten wichtigsten Grundlagen der technischen Zivilisation. Er ist kein Wissenschaftler sondern ein Wissenabschaffer.
(die kursiven Sätze von Weltzeit nur hier)

Der Ursprung des Zeitbegriffs
Der Ursprung des Zeitbegriffs ist das Erinnerungsvermögen. Ohne Erinnerungen gäbe es nur unverbundene Momentaneindrücke. Wir wüssten nichts von Sprache und Melodien, nichts von Bewegung und Zeit und hätten kein Wiedererkennen und kein Wissen. Zeitliches als zeitlich empfunden gibt es nur im Gedächtnis von Lebewesen, also auch bei uns Menschen einzig in unserem Hirn. Und weil wir eben ein großes Hirn haben, haben wir uns Hilfsmittel ersonnen, um für uns Wichtiges messen, also quantitativ bestimmen zu können. Was gibt es an diesen einfachen Sachverhalt nicht zu verstehen?

Zum Weiterlesen:
ZEIT UND SEIN
Tagungsbeiträge
(1) Ist die Zeit messbar? (einer meiner DPG-Vorträge von 2005 zum Einsteinjahr)
http://www.helmut-hille-philosophie.de/t-zeit.html


Helmut Hille
Stimmen des Seins
15.11.2017 ?
Der Begriff des Seins hat es schwer, richtig verstanden zu werden. Das liegt daran, dass die unbewusste Intelligenz des Menschen immer nach Gründen für etwas sucht, um die Sache zu verstehen, am besten erkennbar an der penetranten Warumfragerei der Kinder. Sie ist also angeboren. Die Suche nach Sinn ist ein automatisches vertieftes Wozufragen der Erwachsenden nach Gründen und Zielen. Auch diesen Automatismus gilt es zu durchschauen.

Den unendlichen Regress der automatischen Warum-Fragerei kann man durchbrechen und zu einer Letztbegründung kommen, indem man sich mit Vernunft klar macht: Sein kann nicht begründet sondern nur akzeptiert werden. Eine Begründung des Seins hieße es zu etwas anderen unterzuordnen. Es wäre dann nicht mehr ursprünglich. Doch Welt ist einfach da und entfaltet sich nach ihren Möglichkeiten. Oder wie Parmenides (um 540 - 480) schon lehrte: "Sein ist!" - ohne Wenn und Aber. Sein kann weder Entstehen noch vergehen, auch wenn es sich nach einen ihm immanenten schöpferischen Prinzip der Mischung immer wieder wandelt. Eine solche Sicht nenne ich ein Seinsverständnis. Seinsverständnis nimmt und akzeptiert das Sein in seinem Sosein ohne jedes Warum. Wenn Martin Heidegger in seiner berühmten Antrittsvorlesung zum Rektorat von 1929 "Was ist Metaphysik?" in der Aula der Universität Freiburg i. Br. scheinbar gegen die "Seinsvergessenheit" ankämpfend am Schluss fragte: "Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?" zeigt dies, dass er die Gründe der ewigen Warumfragerei noch nicht durchschaut hatte, weshalb er den Begriff des Seins verfehlte. Dies wohl irgendwie bemerkend hat er zu den über 400 Seiten des "Ersten Teils" seiner berühmten Arbeit "Sein und Zeit" keine Fortsetzung geschrieben und später den Begriff des Seins mehrmals abgewandelt. Doch was Zeit ist wusste er auch nicht, wie er selbst in einem von der Wochenzeitung "Die Zeit" anlässlich eines Jubiläums bestelltem Grußwort zum Thema "Zeit" schrieb.

Ganz anders der Philosoph und Mystiker Meister Eckhart (um 1260 bis 1327) dem es immer um Gott und das Dasein der Menschen ohne "Warum" ging: "Ebenso wie Gott ohne Warum wirkt und kein Warum hat, in derselben Weise, wie Gott wirkt, so wirkt auch der Gerechte ohne Warum. Und ebenso wie das Leben um seiner selbst willen lebt und kein Warum sucht, um deswillen es lebe, so hat auch der Gerechte kein Warum, um deswillen er etwas tue. Fragte man einen wahrhaften Menschen, einen, der aus seinem eigenen Grunde wirkt: "Warum wirkst du deine Werke?" sollte er recht antworten, er würde nichts anderes sprechen, als: "Ich wirke, um zu wirken." Der Mensch soll setzen auf ein Sein: "Nicht gedenke Heiligkeit zu setzen auf ein Tun; man soll Heiligkeit setzen auf ein Sein. Denn die Werke heiligen uns nicht, sondern wir sollen die Werke heiligen. Wie heilig die Werke immer seien, sie heiligen uns durchaus nicht, sofern sie Werke sind, vielmehr: sofern wir wahres Sein und Wesen haben, soweit heiligen wir all unser Tun." Und indem er das lehrte, gab er dem Sein eine Stimme wie zuvor schon Parmenides mit seinem Lehrgedicht "Über das Sein." Im fernen China war es zu genau gleicher Zeit Laotse, der einen Begriff des Seins zu vermitteln suchte (aus dem 6. Spruch): "Des Ewig-Mütterlichen Gestaltungsgabe ist der Ursprung von Himmel und Erde. Stetig gebärend bedarf es nie der Befruchtung."

Sein ist existiert nur als Gegenwart und ist damit zeitlos, sind Vergangenheit und Zukunft doch rein menschliche Kategorien. Auch das gilt es zu durchschauen. Zeitliches wird uns durch das Gedächtnis geschenkt, das abfolgende Ereignisse in Zusammenhang bringt, was unser Erleben und Erinnern von Bewegung, Sprache und Melodien erst ermöglicht. In der Sprache der Theologie heißt es dazu bei Meister Eckhart: "Bei Gott sind alle Dinge in einem ewigen Nun. Gott ist ein Gott der Gegenwart. Wie er dich findet, so empfängt, so nimmt er dich, nicht als das, was du gewesen, sondern als das, was du jetzung bist." So sollten auch wir im Denken und Tun unser Menschsein vollenden als die Stimme des Seins. Durch den Menschen ist das Sein sehend geworden und ringt in ihm um sein Verständnis. Dies zu begreifen und es zu leben sollten wir als Menschheit im Ganzen als unsere Verpflichtung sehen, verbunden mit einem respektvollen Umgang mit allem Seienden, denn wir sind ein Teil von allem und auf es angewiesen.

Zum Weiterlesen
WEGE DES DENKENS
II. Philosophie und Hirnforschung
(II/11) Meister Eckhart und das Sein an sich
http://www.helmut-hille.de/eckhart.html


Helmut Hille
Am Boden des Luftmeeres
15.12.2017 ?
"Im Atemholen sind zweierlei Gnaden: / Die Luft einziehen, sich ihrer entladen; / Jenes bedrängt, dieses erfrischt; / So wunderbar ist das Leben gemischt. / Du danke Gott, wenn er dich preßt, / Und dank ihm, wenn er dich wieder entläßt." (Goethe, WEST-ÖSTLICHER DIVAN, Buch des Sängers)

Wir leben in und von der Luft am Boden des bis 17 km hohen Luftmeeres. Werden wir von der Luft und deren Sauerstoff abgeschnitten, müssen wir sterben. Luft ist nicht nur geruchs- und geschmacklos, sondern auch unsichtbar, so dass sie nach den naiven Kriterien des Realen gar nicht existieren würde. Doch Vögel, Insekten, Samen und Keime wissen sie zu nutzen. Trotzdem bedurfte es der Überzeugungsarbeit von Wissenschaftlern, insbesondre eines Otto von Guericke (1602 - 1686) aus Magdeburg, dass es die Erdatmosphäre gibt. Als Beweis ließ er 1656 zwei 46 cm große Halbkugeln fertigen, die er luftdicht verband und aus denen er mit der von ihm erfundenen Kolbenpumpe die Luft absaugte. Selbst mit zwei Gespannen von je 15 Pferden ließen sich die Kugeln nicht trennen, weil die Luftsäule auf ihnen lastete. Also nicht das erzeugte Vakuum, also das Nichts, sondern die Luftsäule übte die Kraft aus, welche die Kugeln zusammenhielt. Zugleich widerlegte er damit eindrucksvoll die seit der Antike von berühmten Philosophen vertretene Auffassung, dass die Natur aus Angst vor dem Nichts (Horror Vacui) keine Leere duldet. Physikgeschichte ist auch immer zugleich ein Teil der Geistesgeschichte und bedarf mutiger Denker. Die Fakten folgen den Ideen.

Der Österreicher Ernst Mach (1838 - 1916) hat in seiner sensualistischen Erkenntnistheorie, die den Augenschein für besonders objektiv hält, die Existenz von Atomen bestritten, weil man sie nicht sieht. Also dürfte es auch keine Luft geben. Aber es gibt den Wind, den wir spüren und ggf. auch hören und den Schall den die Luft überträgt. Die Schallgeschwindigkeit beträgt in trockener Luft von 20°C 343,2 m/s. Und für ein Objekt wie ein Flugzeug, das die Schallgeschwindigkeit erreicht, so dass die Luft vor ihm nicht mehr ausweichen kann und sich verdichtet, wird die Luft zu einer Mauer, deren Durchbruch sich mit einem lauten Knall bemerkbar macht. Und das auf der ganzen Strecke, die das Flugzeug mit Überschallgeschwindigkeit fliegt. Ironie des Schicksals: ausgerechnet nach dem Sensualisten Ernst Mach ist die Schallgeschwindigkeit benannt, weil er als Physiker z.B. das Verhalten der Luft vor fliegenden Projektilen untersucht hatte. 1 Mach beträgt 1236 km/h, 2 Mach also 2472 km/h usw.

Die Luft besteht aus Gasen mit der Tendenz, sich zu vermischen, so dass Luftmoleküle aus ca. 78% Stickstoff, aus ca. 21% Sauerstoff und einige anderen Komponenten bestehen. Zusätzlich enthält Luft noch Wasserdampf, Staub und weitere Teilchen, z. B. Pollen und Sporen. Beim Einatmen nehmen wir mit der Luft Sauerstoff auf, der durch seine Oxidation im Körper die Verbrennungsenergie freisetzt, die unsere Zellen zum Arbeiten brauchen. Eigentlich ist Sauerstoff ein Gift, das erst durch die Fotosynthese der Pflanzen als Abfallprodukt in die Atmosphäre gelangte. Aber nach und nach wussten Lebewesen diesen energiegeladenen Stoff zu nutzen, indem sie gleichzeitig Abwehrmechanismen gegen seine Aggression erfanden, z.B. durch Verdünnung des Sauerstoffanteils im Körper. Bekannt sind die freien Radikalen, vagabundierende Sauerstoffmoleküle, die Krebs verursachen können.

Wir hängen am Schlauch des Luftmeeres - und das wörtlich! Die Luftröhre ist unser Schlauch, durch den bei einem Erwachsenen täglich durchschnittlich 10.000 l Luft strömen. Die Luft, die wir ausatmen und dabei Kohlenstoffdioxid abgeben, atmen wir selbst und andere wieder ein. Solange es genügend Pflanzen gibt, die durch Sauerstoffproduktion am Land und im Wasser für ausreichend Sauerstoff sorgen, bleibt die Erde bewohnbar. Das ist eine der nicht ersetzbaren Faktoren, auf die wir achten müssen, wenn wir als Menschheit hier oder auf anderen Planeten überleben wollen. (Alle Daten Wikipedia)

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
L. Literarisches u.a.
auf (L9a): Solange die Erde sich dreht…
http://www.helmut-hille.de/kolumne09.html#2


für 2018 in Reserve:
(geplant: Goethe in Heilbronn)

Helmut Hille
Gedanken zu E = m · c²
2018 ?
E = Energie = die Arbeit, die eine Sache leisten kann
m = Masse = die Menge einer Materie, die durch ihren Widerstand gegen Änderung ihrer Lage als ihre Trägheit erfahren wird. Masse = Maß der Trägheit, also kein Teilchen!
c = Lichtgeschwindigkeit = hier eine frei gewählte Rechengröße

Mir ist nicht bekannt, wie Einstein zu seiner berühmten Gleichung gekommen ist, die uns eine Vorstellung davon gibt, wieviel Energie in Materie steckt, wie sich das Jahrzehnte später bei den Nuklearbomben und in Kernkraftwerken gezeigt hat. Ich halte diese Gleichung für Einsteins größte Leistung, die den Materiebegriff eine neue Dimension gab. Dass dabei die zur Verfügung stehende Energie E proportional der beteiligten Materiemenge m ist, ist jedoch eine Selbstverständlichkeit. "Kühn" ist nur die gewählte Größe c. Es gab wohl für ihn einfach keine größere, zudem hatte "das Licht" für Einstein eine der Materie übergeordnete Bedeutung.

Doch es gibt gar keine Sache "Licht", denn Lichteindrücke entstehen erst physiologisch im Kopf des Beobachters, nachdem elektromagnetische Strahlungen mit Wellenlängen zwischen 380 und 780 nm auf seiner Netzhaut aufgetroffen sind. Wir sehen nicht, weil wir Lichtteilchen empfangen, sondern weil unsere Augen und der Sehapparat unterschiedliche Intensitäten einer einstrahlenden Energie in unterschiedliche Nervenimpulse wandelt, die der Sehcortex dann bewertet und interpretiert, wie das alle derartigen Hirn-Bereiche tun.

Ob c größenmäßig zutreffend ist - denn c ist meiner Meinung nach frei gewählt - sei dahin gestellt. Jedenfalls wird in Ermangelung einer besseren Gleichung mit ihr gerechnet, z.B. im CERN. Abweichungen würden sowieso verschwiegen, denn es geht ja heute auch immer darum, dass Einstein Recht hat, was eine neue Art angewandter Physik ist.

Für Einstein zeigte diese Gleichung, wie von ihm richtig bezeichnet, die zahlenmäßige "Äquivalenz von Materie und Energie". Energie und Masse sind nur in Normen festgelegte Rechengrößen und keinesfalls Dinge, die sachlich ineinander "umgewandelt" werden können - was eine alte alchemistische Wunschvorstellung ist, die immer noch gern publiziert wird. Die "Umwandlung" ist eben nur eine rein rechnerische. Das genügt, denn was eine Sache jenseits der durch Forschung gewonnenen Daten ist, wissen wir nicht und brauchen wir auch nicht zu wissen. Wir müssen nur gezielt mit ihr umgehen können, wie auch Einstein einmal bemerkte und wie es in der Forschung täglich geschieht.

Bedenkt man, welche riesigen energetischen Ereignisse nötig waren - der Big Bang und alle Arten von Novä - um die natürlichen chemischen Elemente zu bilden, kann das große Energiepotential der Materie nicht überraschen, das damit auch eine Form des Energieerhalts ist. Die Wasserstoffbombe ist dabei gewissermaßen das Echo des Urknalls, die Atombombe das Echo von Novä oder Supernovä und somit auch eine Art Beweis der genannten, denn von Nichts kommt nichts. Aber es wird eben nicht Materie "umgewandelt", sondern die durch die genannten Ereignisse gewonnene Bindeenergie zwischen Teilchen wird freigesetzt, wie das auch Heisenberg sah. Lassen wir uns nichts mystifizieren!

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
I. Rationale Grundlagen der Physik
(I/B18) Metaphysisches - Metako(s)misches
http://www.helmut-hille.de/mehrwald.html


Helmut Hille
Beutegreifer und Physik oder Die Erforschung des Nichts
2018 ?
Der Mensch gehört zu den Beutegreifern, was schon seine nach vorn gerichteten Augen belegen, die eine Beute fokussieren wollen. (Für die potentielle Beute dagegen ist eine möglichst große Rundumsicht wichtig.) Und wie er ist, so denkt er. Sein räuberisches Denken ist immer auf das Einzelne gerichtet, dessen er sich geistig oder real bemächtigen will. Darum fällt es ihm schwer, Ganzheiten zu akzeptieren, sei es im Leben oder in der Wissenschaft.

Der gestirnte Himmel über uns zeigt jedoch, dass alles auf alles reagiert. Akzeptiert man, dass unser Kosmos eine Einheit ist, gibt es mit der Schwerkraft keine Probleme. Da müssen sich nicht erst Räume verbiegen und Gravitationswellen Botschaften bringen. Ich habe vorgeschlagen die Schwerkraft als ein Verschränkungsphänomen zu verstehen, beim Big Bang zugleich mit der kosmischen Fliehkraft entstanden. Und aus diesem Ringen der beiden widerstrebenden Urkräfte gingen stabile Planetensysteme und Galaxien hervor, bei denen beide Kräfte miteinander im Gleichgewicht sind, wie wir das auch am Sonnensystem beobachten können, dessen Langlebigkeit wir unsere Existenz verdanken. In Verbindung mit Newtons Gravitationsgleichung bedarf es keiner weiteren Erklärung des Verhaltens, so dass wir ein Kosmosverständnis vom großer Einfachheit, Klarheit und Schönheit hätten.

Doch die Beutegreifer unter den Kosmologen scheuen für sie "geisterhafte Fernwirkungen", die aber eben keine sind, wenn man den Kosmos als eine energetisch verbundene verschränkte Einheit versteht. Himmelskörper sind sich nicht "fern" - wir sehen sie nur so, obgleich schon das innige System Erde - Mond uns eines Besseren belehrt haben sollte. Für Newton waren Körper nicht die Ursache der Schwerkraft, wie ihm immer wieder unterstellt wird, sondern Körper waren für ihn nur der Mittelpunkt der um sie herum verteilten zentripetalen Wirkfähigkeit, wie es einzig erweisbar ist und wie man bei ihm nachlesen kann. Doch wer macht sich schon die Mühe? Und indem er - schon aus Respekt vor dem Phänomen - keine Hypothesen erfand, blieb er Wissenschaftler. Das Verständnis von Verschränkung verdanken wir der Quantenphysik, die auch darin immer erfolgreicher wird. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass erst die Quantenphysik uns die Gravitation und den Kosmos verständlich macht. Das aber ist nicht mehr eine Frage des Wissens, sondern immer mehr eine der Akzeptanz, zu der man jedoch seine auf das Einzelne gerichtete beutegreiferische Sehgewohnheit erst überwinden muss.

Um von Einstein erdachte Gravitationswellchen aufzuspüren, ersann man teure und riesige Messinstrumente, die in der Lage sein sollen, einen Wackler der Erde von einem Milliardstel Milliardstel Zentimeter (10-18 cm)! weniger als den Durchmesser eines Atoms also, zu messen. In Anbetracht, dass unser Planet ständig von Gezeitenkräften, Wetter, Erdbeben, Vulkanausbrüchen u.ä. permanent erschüttert und in Unruhe versetzt ist, sind im Naturgeschehen solche winzigsten Wellchen für nichts von Bedeutung. Sie sind so extrem winzig, dass sie überhaupt nur mathematisch darstellbar und für mich eher ein anderer Name für Nichts sind. Das hindert aber eingeschworene Einsteinanhänger nicht, für viel Geld ihre Messeinrichtungen immer weiter verfeinern zu wollen, so dass sie eines Tages wohl auch noch jenseits von Nichts Gravitationswellchen aufspüren können, so klein "wie der Atomkern von Wasserstoff" (Physik Journal 8/9 2017), was das Ziel ist. Doch ganz im Gegensatz zu diesen winzigsten Wellchen müssen es schon die denkbar größten Ereignisse im Universum sein - das Verschmelzen unsichtbarer massereicher schwarzer Löcher - um auf diese Weise überhaupt bemerkt werden zu können - vorausgesetzt sie senden am Ende selbstlos ein Signal für den erfolgreichen Verschmelzungsabschluss, so als gäbe es da einen definierten Endpunkt und klatsche Gott selbst in die Hände: "tata es ist geschafft!", damit wir Menschen es erfahren. "Ja, raffiniert ist der Herrgott!" sagte Einstein, der es wissen musste.*
*"Schwarze Löcher" sind "dunkel", weil ab ihren Rand die Fallgeschwindigkeit größer als Lichtgeschwindigkeit ist, so dass nicht nur kein Licht sondern auch kein Schweresignal aus ihrem Inneren ausgehen kann, da nach Einstein Gravitationswellen Lichtgeschwindigkeit hätten. Wäre Einstein dann auf diese Weise bestätigt oder doch eher widerlegt? Und wie sicher können wir solche schwindsüchtigen Wellchen sehr weit entfernten Objekten zuordnen? Wie ernst ist das gemeint und wie ernst können wir das nehmen? Ist das nicht nur mathematische Spielerei und Rechthaberei? Ich denke letzteres. Forschung im Graubereich von Messtoleranzen, um die zu Einsteins Ideen passende Welt im Nirvana zu finden. (Anmerkungen nur hier)

Weil nun die Messstation LIGO in den USA 2016 solche minimalsten Wellchen pflichtschuldigst endlich bemerkt haben will, sind Einsteinanhänger nach Jahrzehnten der vergeblichen Suche ganz aus dem Häuschen, können sich vor Glück kaum fassen. In ihrer Euphorie hat die Stadt Frankfurt am Main zusammen mit der Gesellschaft Deutscher Chemiker und der DPG Prof. Dr. Karsten Danzmann von der Uni Hannover 2017 einen mit 50.000€ dotierten Preis verliehen, damit er die von ihm entwickelte Komponenten der Messtechnik bei LIGO noch weiter verfeinern kann. Deutschland will auch bei der Erforschung des Nichts unbedingt dabei sein. Auch Einsteins "gebogener Raum", dessen Existenz mit den Gravitationswellchen endlich "bewiesen" werden soll, ist sowieso nur die Biegung des Nichts, denn Raum ist immer "dort" wo nichts ist, wo Dingen "Raum" gegeben wird. Und die "Raumzeit" ist das Netz des Beutegreifers, in dem er die Welt zappeln sehen will. (Absatz nur hier)

Von der Rolle des Beobachters wollen harte Physiker noch immer nichts wissen, weshalb sie Einstein in seinem selbstblinden Autismus blind vertrauen. Doch mein neurophilosophischer Ansatz zeigt auch hier, wie man bei Berücksichtigung der menschlichen Denkweise ganz zwanglos eine einfache befriedigende Sicht der Dinge gewinnt, die keine wesentliche Frage offen lässt, wie man bei mir nachlesen kann. Probleme in der Wissenschaft sind oft genug die Probleme eines an die Fakten nicht angepassten Denkens, wie ich schon in einer früheren Sentenz (August 2017) eingangs geschrieben hatte.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
I. Rationale Grundlagen der Physik
(I/C8) Das Universum
http://www.helmut-hille.de/universal.html

Zum Thema "Verschränkung" s. die Sentenz vom Juli 2009 "Tanz der verschränkten Quanten"


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