71. Jahrestagung der DPG / Universität Heidelberg
Referat vor dem Arbeitskreis Philosophie der Physik (AK Phil) 8.1 am 9. März 2007


Newtons Philosophie der Physik - zeitlos!


"Jeder Physiker hat eine Philosophie,
und wer behauptet, keine zu haben,
hat in der Regel eine besonders schlechte."
C.F.v. Weizsäcker

Vorbemerkung  (vor dem Referat projiziert)
Mein Referat ist - bei durchgehend strenger Beachtung der Beobachterrolle - eine begründete Systematisierung und Verallgemeinerung von Newtons Gedankengut mit dem Ziel der Verständigung von klassischer, allgemein-relativistischer und Quantenmechanik, wobei zusätzlich die Verschränkung als eine allgemeine Eigenschaft der Materie eingeführt wird. Das Referat will zeigen, was ich als Philosoph unter einer Philosophie der Physik verstehe, was Newtons Philosophie der Physik ausmacht und was eine Philosophie der Physik leisten kann.

Hinweise  (seit August 2013)
Zum Vergleich mit meiner Axiomatik gibt es jetzt als Anhang zum Referat eine Übersetzung der Newtonschen Axiome durch das MPI für Wissenschaftsgeschichte, von mir mit verschiedenen Anmerkungen versehen, die den Versuch nahelegen, die ehrwürdigen Axiome Newtons neu aufzubereiten und zu verallgemeinern. Im Referat habe ich jedoch wegen der allgemeinen Zugänglichkeit die Übersetzung von Ed Dellian verwendet, die 1988 im Felix Meiner Verlag Hamburg als Band 394 der "Philosophischen Bibliothek" erschienen ist. - Neben dem hier genannten Anhang sollen auch nachträgliche div. Anmerkungen im Text (s. Fußnoten) dem besseren Verständnis der Axiome bzw. der Axiomatik überhaupt dienen, geht es doch bei meinem Referat um die Grundlagen der Physik, die nicht sorgfältig genug bedacht werden können.
      Seit Dezember 2015 folgt noch eine gesonderte Analyse und Würdigung von Newtons 1. Axiom.

Abstract  (wie eingereicht)
Newtons lat. verfasstes Werk von 1686 ”Philosophiae Naturalis Principia Mathematica” wird u. a. übersetzt mit "Mathematische Grundlagen der Naturphilosophie" (Ed Dellian) oder "Die mathematischen Prinzipien der Physik” (V. Schüller), während ich denke, dass Newton seine Naturphilosophie zur Physik nach mathematischen, also rationalen Prinzipien entwickeln wollte. Es war der von Descartes (1596-1650) propagierte Rationalismus, dem er zu folgen suchte, weshalb Newtons Werk eigentlich mit "Philosophie der Natur nach Prinzipien der Mathematik" übersetzt werden müsste. Leider vermengte Newton in seiner Definition III Descartes "Erstes Naturgesetz" gleich mit Teilen seines 1. Axioms. Eine konsequente Axiomatik unter Einbeziehung der Gravitation in einer aktualisierten Sicht zeigt grundlegende Gemeinsamkeiten von klassischer und moderner Physik auf und ist m.E. geeignet, alle Teile durch ein vertieftes Verständnis einander zu nähern.

Folien
Die während des Referats projizierten Folien zu den einzelnen Axiomen incl. des jeweils 1. Absatzes der Erläuterungen gaben den Text wieder, wie er vorgetragen wurde und unten abgedruckt ist, weshalb sich hier eine Wiedergabe der Folien erübrigt. Eine während der Diskussion gezeigte Folie zu Heraklit mit Kommentar finden Sie hier.


Referat

Newtons in lateinischer Sprache geschriebenes Werk von 1686 "Philosophiae Naturalis Principia Mathematica", kurz "Principia" genannt, wird u. a. übersetzt mit "Mathematische Grundlagen der Naturphilosophie"* (Ed Dellian) oder "Die mathematischen Prinzipien der Physik" (Volkmar Schüller vom MPI für Wissenschaftsgeschichte), während ich denke, dass Newton seine Philosophie über die physikalische Seite der Natur nach mathematischen, also rationalen Prinzipien entwickeln wollte, so wie 9 Jahre zuvor Spinoza seine "Ethik" "in "geometrischer Weise" dargestellt hatte. Es war die von René Descartes (1596-1650) propagierte neue Philosophie des Rationalismus, dem beide zu folgen suchten, weshalb Newtons Werk richtig übersetzt eigentlich heißen müsste: "Philosophie der Natur nach Prinzipien der Mathematik", also nach rationalen Prinzipien.
*Anmerkung 1: Dellian vermeidet als einziger im Titel das Wort "Prinzip", weil er Newtons Axiome fälschlich für Tatsachenbehauptungen hält, wie er mir selbst sagte, was Newtons kognitiv höherwertige Intention jedoch verfehlt. In meiner Titelübersetzung dagegen bleiben alle Begriffe erhalten, noch dazu in ihrer Reihenfolge. Trotzdem meinte in einem Anruf Dellian, ich sollte die hier dargestellte Physik nicht die Newtonsche sondern die Hillesche nennen. Doch ich denke sie ist im Kern die Newtonsche, von mir systemisch nachgebessert und mit den Grund-Satz zur Ganzheit und mit der Quelle der Schwerkraft ergänzt, was man dann "den Hilleschen Teil" der Axiomatik nennen könnte, denn wahrscheinlich bin ich der Erste, der die Schwerkraft als ein durch den Big Bang verursachtes Verschränkungsphänomen versteht (s. unter Pkt. 5). Jedenfalls ist mir bis heute kein anderer, geschweige früherer Autor bekannt. Zum Zeitpunkt meines Vorschlags - auch an anderen Stellen! - gibt es verschiedene Dokumentationen. Darüber hinaus wäre für mich dieses klassische und Quantenphysik verbindende Schwerkraftverständnis die Grundlegung einer kommenden Einheit der Physik, um die es vorrangig den Physikern doch gehen müsste (s. auch unten im Anhang "Eine Zusammenfassung").

Eine Darstellung ist vor allem dann rational, wenn sie auf einem ersten, selbstevidenten Prinzip gründet, von mir daher "Grund-Satz" genannt. Ich unterscheide dabei zwischen Prinzipien und Axiomen. Beides sind in meinem Verständnis keine Sachaussagen sondern rationale Kriterien für Aussagen. Prinzipien sind immer ganz allgemeiner Art. Axiome dagegen sind die Anwendung eines Prinzips für einen speziellen Bereich, hier der Bewegungslehre Newtons. Descartes nannte das oberste Prinzip "Das Erste Naturgesetz" und es lautete sinngemäß, dass jeder Körper - soviel an ihm liegt - sich in seinem Zustand erhält. Es ist also richtigerweise ein Erhaltungssatz der keiner weiteren Begründung bedarf, denn in einem Reich der Notwendigkeit, eben dem der Physik, würde nur der Nichterhalt eines Zustands einer Begründung in Form einer Ursache bedürfen. Newton erwähnte Descartes nicht und vermengte in seiner Definition III dessen "Erstes Naturgesetz" leider gleich mit Teilen seines 1. Axioms. Die Definition lautet: "Die der Materie eingepflanzte Kraft ist die Fähigkeit Widerstand zu leisten, durch die jeder Körper von sich aus in seinem Zustand er Ruhe oder in dem der gleichförmig-geradlinigen Bewegung verharrt." Wo es bei Descartes "soviel an ihm liegt" heißt, heißt es bei Newton in der Übersetzung von Ed Dellian "von sich aus", was dasselbe bedeutet, nämlich dass der Erhalt eines Zustands keiner weiteren Ursache oder Begründung bedarf. Erhalt ist nicht ableitbar, denn dieser ist die Grundbefindlichkeit des Seins, die es von sich aus hat. (Aristoteles' "unbewegter Beweger".) In den Lehrbüchern findet man zumeist Newtons Definitionen nicht oder zumindest halten sich die Lernenden gleich an das Kapitel "Axiome oder Gesetze der Bewegung", das mit Gesetz I beginnt, besser als "1. Axiom" bekannt, welches lautet: "Jeder Körper verharrt in seinem* Zustand der Ruhe oder der gleichförmig-geradlinigen Bewegung, sofern er nicht durch eingedrückte Kräfte zur Änderung seines Zustands gezwungen wird." An dieser Formulierung sind m.E. drei Dinge bemerkenswert:
*Anmerkung 1a: Das "seinem" "in seinem Zustand" ist da fehl am Platze. Richtig einfach: "in dem Zustand" oder "in dem dem gesehenen Zustand", denn sein eigener Zustand ist ja der des Verharrens, sofern er nicht in Wechselwirkung steht, wobei er jedoch ebenfalls zu verharren versucht.

  1. Gesetz I ist keine Sachaussage, sondern die Definition der Kräftefreiheit, die auch dann gilt, selbst wenn es im ganzen Universum keinen einzigen ruhenden oder sich gleichförmig-geradlinig bewegenden Körper gibt. Ohne Definition der Kräftefreiheit keine Definition der Kraft.

  2. Der Satz besagt, dass es nicht darauf ankommt, ob Beobachter Körper in Ruhe oder in gleichförmig-geradliniger Bewegung sehen, denn in beiden Fällen verharren sie in ihrem Zustand. Für sich verharren sie, für den alles relativierenden Beobachter ruhen oder bewegen sie sich, weil dieser zu seinem Verständnis sie unwillkürlich zu Orten in Beziehung setzt, wodurch als sekundäre Eigenschaft von Körpern im Kopf des Beobachters der Ruhe- bzw. Bewegungseindruck erst entsteht. Ohne dazugegebene Orte kein Eindruck von Bewegung oder Ruhe! Physikalisch relevant ist jedoch nur, was ein Körper für sich ist. Daher hält Einstein in der "Elektrodynamik bewegter Körper" zuerst es auch "für erwiesen", "dass der absoluten Ruhe keine Eigenschaften der Erscheinungen entsprechen". Nun aber ist die Ruhe lediglich der Grenzfall der Bewegung, so dass die Feststellung auch für diese gilt. Also: sowohl der daheim "ruhende" Zwilling, als auch der unbeschleunigt reisende, also für uns "bewegte" Zwilling befinden sich im physikalisch gleichen und daher objektiv nicht unterscheidbaren Zustand, nämlich in dem des Verharrens - was eben Newtons 1. Axiom besagt, aber ebenso Einsteins Postulat von der Gleichberechtigung aller Inertialsysteme.

  3. In Newtons 1. Axiom fehlt die wichtige Wendung "von sich aus"* aus Definition III, also das erste Prinzip. Ja, Besser wäre es noch gewesen, es würde ihm als eigener Grund-Satz vorausgehen. Dieser Mangel ist aber nicht nur ein systemischer Fehler, sondern führt auch zu Missverständnissen, wie wir bei Einstein sehen können, denn erst dadurch konnte bei ihm - in seinem Hang zum Determinismus in Sinne von Fremdbestimmung - die Deutung aufkommen, dass Körper zum Verharren eines sie haltenden absoluten Raumes bedürfen, worauf Einstein in seinem Gerechtigkeitssinn zu der Forderung kam, dass dieser absolute Raum nicht nur Wirkungen ausüben darf, sondern auch erleiden muss - der Grundgedanke seiner relativistischen Lehre, ein gewissermaßen aufgeklärter Absolutismus, mit dem er glaubte, den missverstandenen Newton nachbessern zu müssen. Doch die Physik von Descartes und Newton ist eine demokratisch verfasste Physik der Freiheit, weil jede Sache** sowohl ihren Zustand von sich aus erhält, als auch von sich aus in das physikalische Geschehen einbringt, so, wie sich das später auch in der Quantenmechanik gezeigt hat. Und auch was die gewissenhafte Beachtung der Beobachterrolle betrifft, ging Newton den Quantenphysikern ebenfalls in vorbildlicher Weise voraus, wie Punkt 2 belegt.
    *Anmerkung 2: wird bei Newton durch die Wendung "außer insoweit wie jener von eingeprägten Kräften gezwungen wird, seinen Zustand zu ändern" ersetzt.
    **Anmerkung 2a: In der Diskussion auf Nachfrage erläutert: Ich spreche von "Sachen" in dem Sinne, wie man auch von Ursachen und von Sachverhalten spricht. Keine Sachverhalte ohne Sachen. Gemeint sind ganz allgemein alle real existierenden Entitäten physikalischer Natur, die Physikalisches bewirken können, also auch Felder aller Art. Dagegen sind beispielsweise "Temperatur", "Masse", "Zeit" usw. keine Sachen, sondern vom Menschen gesetzte physikalische Messgrößen geistiger Natur, mit denen er gedanklich von ihm gesehene Aspekte von Erscheinungen erfasst und beschreibt.

Bewegung ist also keine Eigenschaft des Bewegten, wie die vorsokratischen Eleaten schon wussten, sondern ein Eindruck, der erst durch die Sehgewohnheit des Beobachters entsteht, die Newton ausführlich untersuchte und die seit über 100 Jahren Grundlage der ganzen Filmindustrie ist, die Standbilder (und es gibt keine anderen!) so geschickt aneinanderreiht, dass in den Köpfen der Zuschauer der Bewegungs-Eindruck entsteht! Damit in der Physik der subjektive Bewegungseindruck nun auch gleich wieder ausgeblendet wird, rechnete Newton mit Hilfe der Differentialrechnung die subjektive Größe v einfach weg, ohne sich lange zu erklären, ähnlich wie später in den Lorentztransformation v ebenfalls ein verschwindendes Dasein hat, worin Lorentz und Einstein abermals Newton folgten, wahrscheinlich ohne sich dessen bewusst zu sein. Für das Verhalten physikalischer Objekte kommt es eben einzig auf ihre Einwirkungen aufeinander an, sei es direkt oder über ein Feld, jedoch nicht auf raumzeitliche Beziehungen, die ja nur durch und für den Beobachter existieren, haben unbelebte Dinge selbst doch keinerlei Beobachterqualitäten. Sie sind dumm und unwissend, können daher von sich aus nur in ihrem Zustand verharren! Wer ihnen mehr unterstellt vermenschlicht sie.

Beziehungen/Relationen dagegen sind mentale Verknüpfungen, die ein Beobachter bewusst oder unbewusst zwischen Objekten herstellt, was berücksichtigt zu haben, die Physik von Newton und Bohr so erfolgreich macht. Außer dieser Gemeinsamkeit ist es die auf Selbstevidenz gründende Rationalität der klassischen Mechanik, welche eine Verständigung unter Physikern ermöglicht, auch in der Quantenmechanik, gerade auch, weil sie in der Abgrenzung zu ihr ihre Andersartigkeit beschreibbar macht. Trotzdem sind beide für mich keine Gegensätze, sondern unterschiedliche Herangehensweisen an von der Größenordnung abhängige unterschiedliche Phänomene, oder wie Bohr 1934 sagte, dass die Beschreibungsweise der Komplementarität es "uns letztlich erlaubt, letztere (die Quantentheorie) als eine natürliche Verallgemeinerung der klassischen physikalischen Theorien anzusehen", nämlich als ihre Vertiefung und Verfeinerung in den Methoden für den atomaren Bereich.

Es gilt also eine konsequente und vollständige Axiomatik unter Berücksichtigung der Beobachterrolle darzustellen und zu erläutern, um die aufgezeigten Missverständnisse zu vermeiden. Hier nun mein Vorschlag mit zwei Grund-Sätzen, um auch gleich noch die Schwerkraft zu erfassen, die die zweite (komplementäre) Seite der Wirklichkeit ist, weshalb sie einen eigenen Grund-Satz erfordert. Nur auf selbst-evidenten Grund-Sätzen - als Kriterien für den wissenschaftlichen Gebrauch - beruhende Aussagen begründen ein zuverlässiges Wissen, wie als Erster der Vorsokratiker Parmenides erkannt hatte und worin ihm die Rationalisten folgten. Andernfalls würde man nur "doxa", also unkritisch nur den Neigungen des gewöhnlichen Denkens folgende Meinungen verbreiten. Der Sinn von Axiomatik ist es, durch Ableitung aus dem von selbst Verständlichen, das Abgeleitete verständlich zu machen. (Doch Verstand ist schon vonnöten.)
*Anmerkung 2b: In Verbindung mit heutigen Begriffen und in erläuternden Texten verwende ich statt der Begriffe "Schwerkraft" bzw. "Zentripetalkraft" den heute üblichen Begriff "Gravitation".

Grund-Sätze des Erhalts und der Ganzheit

1 Grund-Satz des Erhalts

  • 1.1 Jede Sache erhält sich von sich aus in ihrem Zustand. (Definition der Kräftefreiheit)
  • 1.2 Erhalt ist nicht ableitbar. Erhaltungssätze sind daher oberste Sätze.
  • 1.3 Erhalt zeigt sich in zeitlicher Betrachtung als Dauer des Zustands einer Sache.

2 Bewegung und Ruhe

  • 2.1 Das mit dem Beobachten verbundene automatische Relativieren von Verhalten zu Orten, lässt den Beobachter eine jede Sache entweder als "bewegt" oder "nicht bewegt" (ruhend) erscheinen. (Scheinhaftigkeit des Bewegungseindrucks)
  • 2.2 Eine beharrende bzw. frei fallende Sache erscheint in einem ebenfalls beharrenden bzw. frei mitfallenden Bezugssystem als im Zustand der Ruhe oder der gleichförmig-geradlinigen Bewegung.

Erläuterung:
Das Axiom 2 dient hier nur der Klarstellung, was die auch von Newton benutzen Begriffe "Bewegung" und "Ruhe" besagen. Wegen der Scheinhaftigkeit des Bewegungseindrucks sollte man statt von der "Bewegung" einer Sache, besser immer gleich von ihrem Ortswechsel sprechen. Diese Rede ließe sofort erkennen, dass es sich um das Lageurteil eines Beobachters handelt und nicht um die reale Eigenschaft einer Sache. In objektiver Weise "sich bewegen" können nämlich nur Lebewesen, indem sie mehr oder weniger willentlich vorhandene Bewegungsorgane benutzen und dabei Energie verbrauchen, was alles man von natürlichen physikalischen Objekten eben nicht sagen kann, weshalb es sich bei "ihrer" "Ruhe" und "Bewegung" um sachlich unzutreffende metaphorische Beschreibungen handelt, die zu vermeiden sind. Die am meisten in die Irre führende Metaphorik ist jene, die als solche nicht erkannt wird. Alle Wissenschaftlichkeit fängt daher mit der Suche nach der adäquaten Sprache an. Nur mit ihr lassen sich zutreffende und nachvollziehbare Sachaussagen gewinnen. Geben wir uns also mehr Mühe, um nicht dem gewohnten Denken und seinen eingefahrenen Neigungen zu folgen, wenn wir denn Wissenschaftler sein und bleiben wollen.

3 Definition und Quelle der Kraft

  • 3.1 Der Selbsterhalt bedingt, dass jede Zustandsänderung einer Sache einer Ursache bedarf, "Kraft" genannt. (Definition der Kraft)
  • 3.2 Die Zustandsänderung (Beschleunigung) einer Sache und ihrer Richtung ist Folge einer Kraft, der sie proportional ist.
  • 3.3 Quelle von Trägheit bzw. Kraft einer Sache ist ihr Bestreben, sich in ihrem Zustand zu erhalten. (Quelle der Kraft)

Erläuterung:
"Kraft" ist eine physikalische Größe, die das einen Zustand Ändernde erfasst*, in der Mechanik die Folgen des Erhalts im Fall der Wechselwirkung. Es gilt daher Newtons Satz: "Diese Kraft ist immer dem jeweiligen Körper proportional und unterscheidet sich von der Trägheit der Materie nur durch die Art der Betrachtung." Man kann also nicht für Trägheit und zugleich gegen Kraft sein, "denn beide sind nur dem Standpunkt (also nicht der Sache) nach voneinander verschieden." (Newton, Erläuterung in Def. III)** Und wenn man nach Einstein sagt, der Raum "zwingt" Körper auf ihre Bahn, dann vermeidet man zwar den Begriff der Kraft, sagt in der Sache jedoch genau dasselbe, weil es in der Physik eben darauf ankommt, die Wirkungen der Dinge aufeinander zu erfassen, gleich wie man sie beschreibt.
*Anmerkung 3: Gerade wo physikalische Zustände sich nach außen hin als unveränderlich zeigen, kann das trotzdem eine Folge von Kräften sein, nämlich von Kräften, die im Gleichgewicht sind, wie z.B. die immer gleichen Planetenbahnen als Gleichgewichtszustände von Fliehkraft der Planeten und der Schwerkraft der Sonne oder das Pendel als Gleichgewichtszustand der Lageenergie des pendelnden Körpers und seiner Bewegungsenergie, wie überhaupt der Kosmos das getreue Abbild seiner beim Urknall entstandenen Kräfte ist, nämlich von Flieh- und Schwerkraft, die immer noch miteinander ringen. Würde man eine von zwei Gleichgewichtskräften entfernen, z.B. die Zentripetalkraft eines rotierenden Systems, würde dessen Zentrifugalkraft es sofort auseinanderreißen. Man kann sich also nicht auf den Augenschein verlassen, dass bei unveränderten Zuständen scheinbar keine Kräfte am Werke wären. Wissenschaft beginnt immer da, wo man den Augenschein hinterfragt. Auf diesem Weg ist die Kosmologie auch zum kopernikanischen Weltsystem gekommen.
**Anmerkung 4: Den Einwand der Diskussionsleiterin und Sprecherin des Arbeitskreises, Frau Prof. Dr. Dr. Falkenburg in der Diskussion, dass das Zitat nicht stimmen könne, konnte ich schnell entkräften, da ich (den Einwand ahnend) diese Stelle in der Übersetzung schon markiert hatte und sofort vorzeigen konnte. Auch hier bemerkte ich ein fehlendes Grundverständnis Newtonschen Gedankenguts.

4 Gesetz der Wechselwirkung

  • 4.1 Wie Axiom 3 zeigt, ist die Kraft etwas Sekundäres, da sie sich nur in der Wechselwirkung zeigt. Es gibt daher nichts, was für sich selber schon eine Kraft ist.
  • 4.2 Die Existenz einer Sache kann sich daher nur insoweit in Form der Trägheit/Kraft zeigen, soweit ihr eine andere Sache entgegenwirkt. Daher sind die Einwirkungen zweier Sachen aufeinander immer gleich und einander entgegen gewendet. (actio = reactio)
  • 4.3 Sachen bringen sich mit der Menge ihrer Materie und der Richtung ihres aufeinander gerichteten Verhaltens als Impulse in ein Wechselwirkungsgeschehen ein.
  • 4.4 Das Ergebnis ist den beteiligten Impulsen proportional.

Erläuterung:
Die Realität ist transzendent. Das heißt: Erfahrbar ist nicht die Sache selbst, sondern nur ihre Wirkung auf andere Sachen bzw. auf uns als Beobachter, so wie die Energie keine Sache ist, sondern die Fähigkeit eines physikalischen Systems, Arbeit zu leisten. Die Summe dieser Wirkungen ist die Wirklichkeit in der wir leben und die wir versuchen real und mental in den Griff zu bekommen, z.B. indem wir Wirkungen unter uns nützlichen Aspekten messen, z.B. unter dem Aspekt der Kraft als Impuls, wobei der Größe der Kraft durch das Plancksche Wirkungsquantum und der Messgenauigkeit durch Heisenbergs Unschärferelation nach unten Grenzen gesetzt sind.

Jetzt kommen wir zum 2. Grund-Satz, der notwendig ist, um auch die zweite, ganzheitliche Seite der Wirklichkeit beschreiben zu können:

5 Grund-Satz der Ganzheit und Quelle der Schwerkraft

  • 5.1 Jede Sache ist untrennbarer Teil des Ganzen.
  • 5.2 Weil sie ein Ganzes sind, streben alle Teile zueinander hin. (Nur die Fliehkräfte verhindern ihr Zusammenklumpen am "tiefsten" Punkt.)
  • 5.3 Ihre Untrennbarkeit gibt jede Sache in Form einer nicht abschirmbaren, Schwere verursachenden Zentripetalkraft zu erkennen. (Quelle der Schwerkraft)
  • 5.4 Die Fähigkeit Schwere zu verursachen ist eine unverlierbare Eigenschaft jeder Sache, die sie in das gemeinsame Schwerefeld einbringt. Daher ist ausgeschlossen, dass sie zugleich Quelle von Antigravitation sein kann.

Erläuterung:
Den Kosmos als ein untrennbares Ganzes anzusehen, ist zuersteinmal vernünftiger als das Gegenteil. Seine Ganzheit zeigt sich darin, dass alle seine Teile dem gemeinsamen Gesetz der Schwere unterliegen, was Newton als Erster formulierte. Zudem ist unbestritten, dass die Schwerkraft nicht abgeschirmt werden kann, wie die Erfahrung lehrt. Und ich denke, sie ist eine unverlierbare Eigenschaft jeder Sache, die zu ihrer Konstitution, Teil des Ganzen zu sein, gehört. Sie kann sich also nicht verbrauchen! Hier wird der Grund-Satz der Ganzheit mit dem Erhalt der Schwerkraft jedes Teilchens und der Grund-Satz vom Erhalt der Energie zu einem einzigen Grund-Satz. - Aus 5.2 folgt, dass es für das in Betracht zu ziehende Ganze auch eine gemeinsame Quelle der Fliehkraft gegeben haben muss, da wir anderenfalls keinen gegliederten Kosmos hätten. Diese Quelle wird heute "Urknall" besser "Big Bang" genannt und ist ein Durchgangsstadium von zusammenströmender Materie. (Quelle der kosmischen Fliehkraft)

Auch bei der Schwerkraft gilt, dass wir sie nur insofern als "Kraft" bezeichnen können, als sie auf andere Sachen einwirkt. Wo Sachen und somit Wirkungen fehlen, sprechen wir deshalb vom Kraftfeld einer Sache, als der Beschreibung der ihr zugehörigen potentiellen Beschleunigungsfähigkeit, die wir durch Probekörper erfahren. Eine Sache wirkt dabei weder vermittelt noch unvermittelt in die Ferne, sondern sie ist nur der phänomenale Mittelpunkt ihres ständig existenten, sich räumlich verteilenden Potentials, das schon immer am Ort seiner Wirksamkeit war und ist. Newtons Definition VIII lautet daher: "Die beschleunigende Kraft soll auf den Ort des Körpers zurückgeführt werden als eine Wirkfähigkeit, die vom Mittelpunkt über die einzelnen Orte in der Umgebung verteilt ist." Diese Verteilung und die Stärke der Zentripetalkraft vor Ort sind auch das Einzige, was wir positiv ermitteln können. Die oft zu hörende Behauptung, Newton hätte an Fernwirkungen geglaubt, demaskiert nur ein eigenes irrtümliches deterministisches Gravitationsverständnis, das die Körper als die Ursache der zentripetalen Wirkfähigkeit ansieht, während sie für Newton nur deren Mittelpunkt sind. Das Schwerefeld ist einfach da, so wie die Materie selbst einfach da ist, zu der es gehört.

Heute müsste man jedoch sagen: Verschränkungen eingehen zu können, ist eine allgemeine Eigenschaft der Materie (dieses Kosmos). Durch ein gemeinsames Ereignis, genannt "Urknall", zu einer neuen Einheit verschränkt zu sein und gemeinsam und wahrscheinlich auch instantan in Form der Schwerkraft zu reagieren, ist eine Folge dieser emergenten Eigenschaft. Auch das System der Atome und der chemischen Elemente ist das Ergebnis der Verschränkung von Elementen zu dauerhaften neuen Einheiten. Das sog. "Problem" der Verschränkung über Distanzen läuft letztlich auf die Frage hinaus, was wir von den Fakten und nicht von unserer Sehgewohnheit her als "EIN Objekt" anzusehen haben: so wie Erde und Mond zwar traditionell einerseits als zwei getrennte Himmelskörper gesehen werden, so ist doch andererseits wahr, dass sie physikalisch ein gemeinsam reagierendes System bilden, das wiederum zum Sonnensystem gehört, welches seinerseits Teil der Milchstraße ist usw. usf. Und wenn wir durch einen gemeinsamen Crash von zusammenströmender Materie einen Kosmos als Untersystem des Universums haben, bietet es sich geradezu an, den Kosmos ebenfalls als eine Einheit anzusehen und Beweise für seine Einheit zu suchen. Heraklit hierzu: "Wenn das Unerwartete nicht erwartet wird, wird man es nicht entdecken." Der gegenüber den Quantenphänomen und der antiken Philosophie aufgeschlossene Erwin Schrödinger sagte u. a. in seinem Gedicht, das auf seinem Grab in Alpbach steht, in Übereinstimmung mit Heraklit: "So ist denn alles Sein ein einzig Sein." Zu dieser Einheit allen Seins gehört es eben auch, die Materie und ihr Gravitationsfeld nicht als zwei verschiedene Wesenheiten anzusehen zwischen denen erst vermittelt werden muss, sondern als zwei komplementäre Seiten ein und derselben Realität, womit das Problem der Fernwirkung sofort verschwindet! Und vielleicht läuft die gesuchte Gravitationswelle ja auch nicht einsam und verloren zwischen den Sternen, sondern sie ist die stehende Welle eines gemeinsamen Herzschlags aller Dinge und wir getrauen uns nur nicht, dies zu denken und wahr zu haben, obwohl es Goethes Frage im Faust, "was die Welt im Innersten zusammenhält" beantworten würde. Haben wir doch einfach mehr Mut! Legen wir selbst verordnete Denkgrenzen doch einfach ab! Halten wir es mit dem römischen Kaiser Marc Aurel: "Heute habe ich alle Bedrängnis hinter mir gelassen. Ich habe erkannt: sie lag nicht außerhalb von mir, sondern in mir, in meinen Gedanken." Dann wird uns auch das Fehlen eines Zeitfaktors bei Newton nicht mehr befremdlich sondern vielmehr als bedeutsam erscheinen!

Newtons "Philosophiae Naturalis" aber ist eben nicht nur ohne Zeitfaktor, sondern auch zeitlos in jeder Hinsicht.

6 Gesetz der Schwerkraft  (identisch mit Newtons "Zentripetalkraft")

  • 6.1 Die Schwerkraft ist eine der beiden mechanischen Formen der Wechselwirkung einer Sache. Beide sind proportional der Menge ihrer Materie.
  • 6.2 Die Schwerkraft geht vom einzelnen Quantum aus und verteilt sich gleichmäßig im Raum, d. h. in jedem Radius um ein Quantum herum ist die Summe der Schwerkraft einer Sache immer die gleiche. (Erhalt der Gravitations-Energie)
  • 6.3 Ebenso setzt die Schwerkraft an den einzelnen Quanten an, daher hängt das "Fallen" einer Sache weder von ihrer Menge, noch von ihrer Form, noch von ihrer Natur ab.
  • 6.4 Alles wirkt gravitativ und alles unterliegt der Schwerkraft. Das ist es, was die Einheit der Natur ausmacht.
  • 6.5 Infolge der Quantelung der Energie kann sich die Schwerkraft einer Sache im Raum nicht beliebig verdünnen. Ihre jeweilige Reichweite ist also durch das kleinstmögliche Wirkungsquantum begrenzt.
  • 6.6 Wie die Energie ihre Formen wechseln kann, können Materieteile durch erneute Verschränkung in eine neue Ganzheit wechseln bzw. ein neues Untersystem bilden.

Erläuterung:
Die Trägheit ist die örtlich-passive, die Schwerkraft die universal-aktive Eigenschaft ein und der selben Sache. Zu jeder Sache gehören mithin zweierlei Wirkweisen, die quantitativ durch das gleiche Maß bestimmt werden: die "Masse". Die "träge Masse" ist dabei nicht die Sache selbst, sondern das Maß des Trägheitswiderstands einer Sache, wenn eine andere Sache direkt auf sie einwirkt. Die "schwere Masse" dagegen ist das Maß der Schwere der gleichen Sache unter der Einwirkung des Schwerefelds einer anderen Sache, wobei es auf deren Menge und Distanz ankommt. Träger des Merkmals "Masse" ist die Materie, sei sie kondensiert oder strahlend. Die berühmte Gleichung E = mc² stellt dabei eine Relation zwischen der Trägheit kondensierter und strahlender Materie her, wie die Umkehrung mE = E/c² zeigt, Einsteins ursprüngliche Formulierung, was er ihre "Äquivalenz" nannte. Eine Äquivalenz liegt aber nur dann vor, wenn auch strahlende Materie träge ist und, genauso wie kondensierte, sowohl Schwere ausübt, als auch ihr unterliegt. Bei dieser Gleichheit, die sich auch aus den Erhaltungssätzen ergibt, haben wir es dann mit der "Gerechtigkeit" zu tun, die Einstein bei Newtons absolutem Raum vermisste, der jedoch letztlich nur eine mathematische Idealvorstellung eines von seinen Inhalten unabhängigen und daher "absolut" zu nennenden Maßsystems, als unabdingbare Voraussetzung nachvollziehbarer Messaussagen, aber eben wie die Masse keine Sache ist!

Die Schwerkraft ist also keine weitere Kraft neben den anderen Grundkräften, sondern immer nur deren komplementäre ganzheitliche Seite. Schon Parmenides sagte vom Sein: "Im Zusammenhalten ist es ein Ganzes". Es ist daher weder notwendig noch möglich, sie mit den 3 übrigen Kräften zu vereinen, weil sie sowieso zu ihnen gehört, weshalb sie sich auch jeder äußerlichen Vereinigung bis heute widersetzt hat. Es ist auch nicht nötig, sie zu quantisieren, weil sie schon eine Eigenschaft der Quanten ist, eben ihre andere unverlierbare Seite, weshalb sie auch nicht abgestrahlt und separiert durch den Kosmos eilen kann. Und die Andersartigkeit ihres Wirkmechanismus lässt es gerade nicht zu, sie mit den Wirkmechanismen der übrigen Kräfte zu erklären. Auch hier gilt es, das Schwerkraftphänomen einfach zu akzeptieren und an Newtons weisen Ausspruch zu denken: "hypotheses non fingo", worin sich m.E. einerseits ein tiefes Verständnis Newtons für die Besonderheit der Schwere zeigt, andererseits auch sein Credo als Wissenschaftler, nichtnachprüfbare Aussagen zu unterlassen*, worin ihm die Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik folgte. Es gilt eben, so wie er, die geistige Souveränität zu besitzen, dass Erforschliche erforschen zu wollen, aber das Unerforschliche ruhig zu verehren, wie Goethe sagte, weil die Realität sowieso alle Denkbarkeit übersteigt. In der Sprache der Philosophie heißt das: die Realität ist transzendent; in der Sprache der Quantenphysik: sie befindet sich in einer Superposition und ihre erkennbaren Eigenschaften werden erst durch die Art unserer Messung und deren Interpretation bestimmt. Jeder bestimmte Zustand ist eben durch einen Beobachter bestimmt. Da gibt es niemand, der ihm das abnimmt, weshalb er für seine Aussagen voll selbst verantwortlich ist, eine Verantwortung, vor der sich viele gern drücken, weshalb sie sich lieber unbesehen auf Autoritäten und so genannte "Beweise" berufen, die oft genug einseitige Interpretationen sind, wenn da nicht gar jemand auf ein Wunschergebnis hin gemogelt hat wie Eddington 1919.
*Anmerkung 5: Das Urteilen anhand von Prinzipien und Axiomen schließt willkürliche Annahmen aus, von denen die heutige Kosmologie so voll ist, weil ihr Ansatz nicht stimmt - die Entstehung aus dem Nichts!

Indem Newton in Respekt vor dem Gravitationsphänomen, Hypothesen vermeidend, die Schwerkraft rein geometrisch beschrieb, ist die Verbindung von Schwerkraft und Raum daher nichts Neues. Dabei müssen wir uns immer bewusst sein, dass "Kraft", als Analogie zur Muskelkraft, wie auch "Feld" und "Raum" nur metaphorische Beschreibungen sind, die lediglich dem menschlichen Verständnis dienen. Einstein dagegen, der keinen Nerv für die Rolle des Beobachters hatte (und wohl auch der materialistischen Überzeugung anhing, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt), versuchte durch Sprachspiele ständig mentale Größen mit materiellen Eigenschaften in Verbindung zu bringen, sie also zu physikalisieren. Daher seine ihm wichtige bildhafte Rede von der "Raumkrümmung", dabei wäre ein "gekrümmter Raum" von einer gekrümmten Bahn nicht zu unterscheiden. Würden dagegen auch Felder sich wechselweise beeinflussen, könnten sich, bei ausreichender Nähe relevanter Mengen von Materie, durch ihre gegenseitige Verwerfung zusätzliche Effekte ergeben, die mit einer "Krümmung des Raumes" zwar anschaulich beschrieben werden können und die es wohl auch gibt, die m.E. aber tatsächlich Eigenschaften realer Gravitationsfelder sind, so dass sich Einsteins Physikalisierung und Hypostasierung des Raumes hier ebenfalls erübrigt, was andererseits wiederum sicher auch ganz im Sinne der von ihm gesuchten Einheit der Physik wäre, die eben auch gebietet, überflüssige Entitäten zu vermeiden ("Ockhams Rasiermesser"). Vielleicht ist es die Mitdrehung von Feldern in der Nähe großer Materiemengen, die sich als geringfügige Perihelbewegung sonnennaher Planeten zeigt. Beides nur als Denkanstoß, so wie Sie überhaupt meine Ausführungen hier in erster Linie als Anregungen nehmen sollten. Wird Newton richtig verstanden, vor allem nicht ständig deterministisch im Sinne von Fremdbestimmung fehlinterpretiert, und sieht man von Einsteins metaphorischer Sprechweise mit starken mythischen Bildern ab, dann erkennt man, dass beide Physiker im Kern ihrer Auffassung von Schwerkraft, als eines universalen räumlichen Phänomens, sich näher waren, als viele denken.

Für die Zukunft der Physik ist es zwingend erforderlich, die Rolle des Beobachters in seinem Wahrnehmen, Denken, Reden und Tun so umfassend wie konkret aufzuklären, anzuerkennen und zu berücksichtigen, wollen wir geistig Herr im eigenen Hause sein und nicht von "doxa" getrieben werden, ist der Beobachter doch die Ursache der Differenz von Schein und Sein. Während Ernst Mach lehrte, sich auf den Augenschein zu verlassen, so Vernunft und Sachverstand verachtend, was 100 Jahre lang nicht ohne Folgen blieb, müssen wir im Bunde mit Vernunft und Sachverstand von einer Physik des Scheins wieder zu einer konsequenten Physik des Seins zurückfinden, zu der uns Newton wichtige Vorgaben leistete, gemäß der Lehre des Parmenides:

"Denn nicht ohne das Sein wirst du das Erkennen finden, wenn es Bestand haben soll."

Auf der Ebene des Seins lassen wir die Probleme des Scheins klaglos hinter uns, mit denen wir uns auch auf dieser Tagung wieder reichlich beschäftigt haben.

    Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Autor:
Helmut Hille, Heilbronn
FV DD, Mitglied des AK Phil
21.08.2012 Anmerkung 4 neu; 19.09.2012 Abstract nachgetragen, Anmerkung 1 gekürzt; 20./22.01.2013 Anmerkung 1 ergänzt; 20.01.2013 Anmerkung 2b neu; 16.06.2013 Anmerkung 5 neu; 14.05.2015 Anmerkung 2 neu; 24.02.2016 Anmerkung 1 ergänzt, 1a geändert

s. auch [19] Die Macht der Stille - Newtons Universum und Gottes Wesen
s. auch auf WEGE DES DENKENS "Der Sinn der Axiome" in Datei I/B4


ehemals vorgesehener Schluss:  (s. dazu das nachfolgende Referat von 2008)
Dabei sollten wir physikalische Größen, die als Handwerkszeug des Physikers immer geistiger Natur sind, nicht als die physikalischen Gegenstände selbst ansehen, denn dann begehen wir nicht nur einen Kategorienfehler, sondern beschäftigen uns nur noch mit dem Werkzeug, statt mit den Gegenständen, die es mit seiner Hilfe erst zu erforschen gilt. Zudem zerfällt die Welt dabei in soviel verschiedene Wirklichkeiten und Kräfte, wie es physikalische Größen einschließlich Raum und Zeit gibt, wobei bei Einstein - infolge ihrer Relativität zur Geschwindigkeit - auch noch deren Einheit verloren geht, weshalb er lebenslang auf der (für ihn vergeblichen) Suche nach der Einheit der Physik war, die er zuvor selbst - bis heute anhaltend - gründlich zerstört hatte. Die Masse, als Maßeinheit der Trägheit, sah er zusätzlich auch noch in schwere und träge, ruhende und bewegte sowie in nahe und ferne Masse gespalten, woraus die von ihm initiierte, bis heute ebenso vergebliche wie unnötige Suche nach der Gleichheit von träger und schwerer Masse hervorging. Aber ohne gleiche und gleichbleibende Einheiten gibt es kein Messen, das diesen Namen verdient. Eine Abhängigkeit von Grundeinheiten von deren Geschwindigkeit zu noch dazu zufälligen Beobachtern ist ein Unding, denn Einheiten werden nicht gefunden, sondern definiert! Sie sind keine Frage der Wahrheit, sondern der Geltung! Die Verschiedenartigkeit von Größen aller Art ist Ausdruck der in der langen Geschichte der Evolution des menschlichen Gehirns entwickelten geistigen Fähigkeit zu differenzieren und dabei unterschiedliche, uns Verständnis gebende Aspekte zu entwickeln, unter denen wir mit den Dingen umgehen, während die Realität selbst EINE ist, jede Denkbarkeit übersteigend, weshalb wir den Respekt vor ihr nie verlieren sollten. Auch in diesem Punkt menschliche Selbsteinschätzung zu verbessern ist dringend geboten,

denn wer sein Verstehen nicht versteht, versteht letztlich gar nichts.

Anhang  mit Anmerkungen von H. Hille
Newtons Axiome
aus "Die mathematischen Prinzipien der Physik" (103 Seiten)
in der Übersetzung von Dr. Volkmar Schüller vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin, vom Verfasser mir im Mai 1997 zugesandt, dem ich nicht nur dadurch zu besonderen Dank verpflichtet bin. Auch hat er mich mehrfach beraten und mir Newtontexte zur Verfügung gestellt wie sie z.B. im DPG-Referat "Antike Denker..." unter (1) zu finden sind.

AXIOME ODER BEWEGUNGGESETZE

GESETZ I

Jeder Körper verharrt in seinem* Zustand des Ruhens oder des Sich-geradlinig-gleichförmig Bewegens, außer insoweit wie jener von eingeprägten Kräften gezwungen wird, seinen Zustand zu ändern.
Anmerkung: *Das Axiom ist so in sich widersprüchlich (auch im lat. Original?). Es müsste hier statt "seinem" "in dem (gesehenen) Zustand" heißen, da ja sein eigener Zustand der des Verharrens ist, sofern er nicht in Wechselwirkung steht, wobei er jedoch ebenfalls zu verharren versucht. Lässt man die Wendung "des Ruhens oder des Sich-geradlinig-gleichförmig Bewegens" dagegen entfallen (wie in Definition III der Principia), wäre es richtig von seinem Zustand, nämlich dem des Verharrens zu sprechen. Andererseits bringt diese Wendung zum Ausdruck, dass es physikalisch eben gleichgültig ist, ob wir unbelebte Körper im Zustand der Ruhe oder der Bewegung sehen, weil dies nur subjektive und metaphorische Wertungen des Beobachters sind. Aber das "Ruhen" und das "Sich-geradlinig-gleichförmig Bewegen" physikalischer Körper (zu einem Bezugspunkt, den ein Beobachter setzt,) sind in metaphorischer Sprache wiederum die beiden Merkmale der Kräftefreiheit, für die ein eigenes Axiom angebracht gewesen wäre. Sachlich richtig wäre dabei von der Lage der Körper relativ zu dem gewählten Bezugspunkt zu sprechen. Und das die Axiome/Gesetze begründende allgemeine Erhaltungsprinzip kommt überhaupt nur in dem Wort "verharren" zum tragen, während die schon in Definition III gegebene wichtige Begründung nicht vorkommt, nämlich dass Körper das von sich aus tun, was jedoch mit dem 2. Satzteil mit den von außen kommenden "eingeprägten Kräften", die Bedingung jeder Veränderung sind, gleichsinnig ausgedrückt wird. Einerseits könnte man die Zusammenfassung der verschiedenen Aspekte in einem einzigen kurzen Satz als "genial" bezeichnen, andererseits ist das "GESETZ I" nicht nur in sich widersprüchlich (zumindest in den Übersetzungen), sondern auch noch überfrachtet, weshalb es in seiner Komplexität so wenig verstanden wird.
      Es ist zu vermuten, dass es sich bei GESETZ I in seiner Kürze um eine gewollte Verschlüsselung handelt, musste Newton sich doch vor den Nachstellungen der Religiösen schützen, da seine Physik durch die Immanenz der bewirkenden Kräfte eine demokratisch verfasste Physik der Freiheit ist: Körper verharren "von sich aus" und bringen sich "von sich aus" also ohne Hilfe von außen sich als Ursache ein, was der religiöse Leibniz klar erkannt hatte, weshalb er Newton am englischen Hof der Gottlosigkeit bezichtigte, was damals ein schwerwiegender Vorwurf war. Auch die Quasi-Religiösen unter den heutigen Physikern, die Deterministen, die immer etwas hinter den Dingen suchen wie heute das Higgsfeld, mögen Newtons Axiome nicht und verleugnen oder missdeuten sie, wo sie nur können. Für sie ist im säkularen Bereich die Physik das letzte Rückzugsgebiet totalitären Denkens. In Definition III seiner Principia geht dem GESETZ I zwar noch die physikalisch nicht erforderliche Wendung voraus, dass die Fähigkeit jedes Körpers Widerstand zu leisten "der Materie eingepflanzt wäre", was natürlich nur Gott geleistet haben könnte. Für die Immanenz der Trägheit von Körpern ist das für den Wissenschaftler Newton jedoch ohne Bedeutung. Auf diese Weise leugnet Newton Gott zwar nicht, doch bleibt er bei ihm als physikalisch zu bedenkende Ursache außen vor.

GESETZ II

Die Änderung einer Bewegungs[größe] ist der eingeprägten Bewegungskraft proportional und erfolgt entlang der Gerade, entlang welcher diese Kraft eingeprägt wird.

GESETZ III

Zu einer Einwirkung gehört immer eine gleich große entgegengesetzt gerichtete Rückwirkung, bzw. die gegenseitige Einwirkung zweier Körper aufeinander sind immer gleich groß und in entgegengesetzte Richtung gerichtet.
Anmerkung: Da die Unterscheidung nach Einwirkung und Rückwirkung subjektiv ist, korrigiert sich Newton mit der 2. Satzhälfte nach "bzw." selbst, d.h. die erste Satzhälfte ist entbehrlich.

Anhang "Newtons Axiome" und "Hinweis" auf sie August 2013 neu, Hinweis Anfang Nov. 2013 ergänzt; Dez. 2013 letzter Satz zu Gesetz I neu, desgl. die Danksagung an V. Schüller; 16.07.2016 GESETZ I Schluss ergänzt


Eine Zusammenfassung dessen, was wir von der Gravitation im Sinne des moderaten Positivismus der Quantenphysik aus Erfahrung definitiv wissen und soliderweise sagen können ist seit Juni 2011 auf WEGE DES DENKENS in Datei I/B5 im Vorwort unter dem Titel "Gravitation und Quantenphysik" aufgelistet. Sie zeigt, dass es nicht nur kein Problem zwischen der Gravitation und den Teilchen gibt, ganz im Gegenteil: erst die Quantenphysik macht uns durch das Verschränkungsphänomen die Gravitation und den Kosmos verständlich und anders lautende Theorien überflüssig. So wird durch die Quantenphysik die Einheit der Physik wieder hergestellt.



Newtons 1. Axiom
Analyse und Würdigung

Newtons 1. Axiom in der Übersetzung von Dr. Volkmar Schüller, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin, lautet:

"Jeder Körper verharrt in seinem Zustand des Ruhens oder des Sich-geradlinig-gleichförmig Bewegens, außer insoweit wie jener von eingeprägten Kräften gezwungen wird, seinen Zustand zu ändern."

DUDEN 25.Auflage: Axi|om, das; -s, -e (griech.) (keines Beweises bedürfender Grundsatz); !

Newtons Axiome werden mangels tieferen Verständnisses von heutigen Physikern oft als Tatsachenbehauptungen abgetan (s. z.B. oben bei Dellian), was den Charakter von Axiomen völlig verkennt. Axiome sind weder wahr noch unwahr sondern die Anwendung eines allgemeinen selbstevidenten Prinzips auf einen speziellen Bereich, hier der unbelebten Materie. Das "jeder Körper verharrt", noch dazu "von sich aus" wie es in vorausgehenden Definition III heißt, ergibt sich aus dem vernünftigen allgemeinen Erhaltungsprinzip, dass ohne Ursache nichts geschieht, was keiner weiteren Begründung bedarf. (Beim Lebendigen geht es aber nicht um den Erhalt von materiellen "Körpern" sondern um den Erhalt der Organisation von Materie, die in der Erbinformation niedergelegt ist.)

Sodann ist Axiom 1 die Definition der Kraft, als das eine Änderung Bewirkende, gleich was die Ursache ist. Daraus ergibt sich auch die noch grundlegendere Definition der Kräftefreiheit, wenn sich nichts ändert. (In der Regel werden wir es jedoch mit einem Gleichgewicht von Kräften zu tun haben.) Die Definition der Kräftefreiheit ist völlig unabhängig davon, ob es im Universum irgendwo einen kräftefreien Zustand gibt.

Überhaupt drückt Axiom 1 ein grundlegendes Verständnis von unbelebter Materie aus, die eben nur reagieren aber nicht agieren kann. Es ist daher ausgeschlossen, dass sie z.B. sich jemals irgendwo nach Relationen richtet. Relationen/Beziehungen sind mentale Verknüpfungen, die nur intelligente Lebewesen herstellen können und die so einzig rein geistig existieren.

Newton drückt mit seinem 1. Axiom auch aus, dass es für das Verharren gleich ist, ob der Beobachter einen Körper im Zustand des "Ruhens" oder des "Sich-geradlinig-gleichförmigen Bewegens" sieht, denn eine solche Taxierung hängt nur "vom Standpunkt" des Beobachters ab, wie Newton in den Definitionen sagt, nämlich davon, welchen Körper er als Bezugspunkt ansieht. Erst wenn wir Objekte (zumeist automatisch) räumlich miteinander in Beziehung setzen, erscheinen sie uns aufgrund unserer Sehgewohnheit gegeneinander "ruhend" oder "bewegt", doch für sich verharren sie in ihrem Zustand, soweit keine Kraft sie zu einer Reaktion zwingt, bei der sie ihren Zustand so gut wie möglich zu erhalten versuchen (Quelle der Kraft). In Definition IV heißt es bei Newton dazu: "Denn ein Körper verharrt in jedem neuen Zustand allein durch die Kraft der Trägheit." Physikalische Körper haben zwar ihren Zustand nicht allein von sich aus - aber sie erhalten ihn allein von sich aus, wenn keine Kraft einwirkt, was keiner weiteren, darüber hinausgehenden Begründung bedarf, weshalb Fremdbegründungen zwangsläufig falsch sein müssen und daher abzulehnen sind. Newton hat hier und auch in seiner Mathematik durch Eliminierung der subjektiven Größe v vorbildlich die Rolle des Beobachters berücksichtigt, weshalb seine Physik von zeitloser Gültigkeit ist. Vorbildlich war Newton auch darin, sich in wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit keine Hypothesen zu ersinnen, wie dies heute mangels Sachverständnis oft leichtfertig geschieht, die zudem, infolge des Fehlens einer diskutierbaren Begründung, in der Gefahr sind, sich als Glaube zu verfestigen.

Was am 1. Axiom zu beanstanden wäre, wenn es denn dem lateinischen Original entspricht, ist die Wendung von "in seinem Zustand" in Verbindung mit "Ruhe" und "Bewegung", obwohl "Ruhe" und "Bewegung" nur eine am Lebendigen erprobte Sichtweise des Beobachters ist (haben doch z.B. Sonne, Mond und Sterne keine Bewegungsorgane, um der Rede einen realen Sinn zu geben). Sein Grundzustand eines rein physikalischen Körpers ist sachlich richtig gesprochen der des Verharrens. Und statt von "eingeprägten Kräften" wäre es um der Klarheit willen besser von "einwirkenden Kräften" (Dellian: "eingedrückte Kräfte" - doch wer drückt?) zu sprechen. Kraft ist immer da, wo etwas bewirkt wird.

Die in Definition III gegebene erhellende Aussage, dass Körper "von sich aus" in ihrem Zustand verharren, taucht bei den Bewegungsgesetzen nicht mehr auf, was jedoch im 2. Satzteil mit den "eingeprägten (einwirkenden) Kräften", die Bedingung jeder Veränderung sind, zwar nur indirekt aber gleichsinnig ausgedrückt wird. Newtons Physik ist eine demokratisch verfasste Physik der Freiheit, in der Köper sich von sich aus in ihrem Zustand erhalten und von sich aus wirken. Religiöse und andere Deterministen mögen daher Newtons Physik nicht, weil Freiheit Verantwortung bedeutet, die sie ängstigt. Lieber theoretisieren sie etwas hinter den Dingen, was diese determinieren würde: je nach Neigung Gott oder ein Higgsfeld oder auch schon mal "ferne Fixsternmassen" - wie es der Zeitgeist hergibt, weshalb sich auch immer so schnell viele glaubensbereite Anhänger solcher Thesen finden.

Heilbronn, den 12. Dezember 2015  (danach einige Ergänzungen, zuletzt am 16.07.2016)

Helmut Hille

nächster Text    alle Tagungsbeiträge    zum Seitenanfang