Meine Kolumne "Philosophische Sentenz des Monats" auf der kommerziellen Website "Geschenke aus den Museen der Welt".
Philosophische Sentenzen von 2019
- auch in Reserve -


Helmut Hille
Der Weltseele auf der Spur
14.01.2019
"In der lebendigen Natur geschieht nichts, was nicht in Verbindung mit dem Ganzen steht." (Johann Wolfgang von Goethe)

"Die Weltseele (lateinisch anima mundi, griechisch...psyché tou pantós) ist ein religiöses und naturphilosophisches Konzept. Es beruht auf der Vorstellung einer Analogie zwischen der Gesamtheit des Kosmos und dem einzelnen Lebewesen, speziell dem Menschen. Das Universum als Makrokosmos soll analog zum Menschen, dem Mikrokosmos, strukturiert sein. Als Lebens- und Bewegungsprinzip wird für beide eine Seele angenommen. So wie man sich ein einzelnes Lebewesen als beseelt und von seiner Einzelseele belebt vorstellt, so wird der Kosmos als lebendiger, mit einer eigenen Seele ausgestatteter Organismus aufgefasst." (Wikipedia)

Insbesondere der Mensch wird als ein Lebewesen betrachtet, das eine Seele hat, die seine Persönlichkeit ausmacht. Der Sitz dieser Seele konnte jedoch nie ermittelt werden, weil sie offensichtlich nicht etwas Einzelnes ist. Trotzdem ist sie da, als ein die Ganzheit des Menschen zu seiner Lebenszeit Bestimmendes und Lenkendes. Und ähnlich ist es im Kosmos als dem geordneten Ganzen der Welt. Auch im Kosmos sorgt eine unsichtbare Kraft dafür, dass Planeten Milliarden von Jahren zuverlässig ihre Sonne umkreisen und noch viel länger die Sterne der Galaxien ihre Zentren umrunden. Newton nannte sie Zentripetalkraft - auf das Zentrum eines Körpers gerichtete Kraft - wir kennen sie als Schwerkraft bzw. Gravitation. Newton hat ihre Stärke und ihre Verteilung im Raum beschrieben. Aus Respekt vor ihrer Besonderheit und weil er als Wissenschaftler korrekt bleiben wollte, hat er keine über die Erfahrung hinausgehenden Hypothesen über sie ersonnen. Doch konnte er sagen, dass ein (Himmels-)Körper der Mittelpunkt des jeweiligen Kraftfeldes ist, als eine zweite ihm zugehörige Seite, nicht jedoch selbst auch noch die Ursache dieser Kraft, wie ihm gern unterstellt wird. Da müssen wir schon woanders suchen.

Heute, im Siegeszug der Quantenphysik mit der Erfahrung von Verschränkungen, bei der auch weit voneinander entfernte Teilchen als Eines reagieren, unabhängig von Zeit und Raum, sehe ich mich berechtigt, die alles beherrschende Schwerkraft als ein Verschränkungsphänomen anzusehen, "das die Welt im Innersten zusammenhält". Ursache dieser Verschränkung ist der Urknall, so wie die Verschränkung von Teilchen auch immer einen gemeinsamen Ursprung als Voraussetzung hat. Und diese Kraft selbst, die Schwerkraft, ist und bleibt unsichtbar wie eine Seele. Jemand hat sie einmal als "subatomar" bezeichnet, für welche die engen Gesetze der atomaren Ebene nicht gelten, wie das auch verschränkte Teilchen demonstrieren, was so wenig verstanden wird. Und indem die Schwerkraft - also die einem anderen Körper Schwere verleihende Kraft - zusammen mit der beim Urknall ebenfalls entstandenen, aber alles nur auseinander treibenden kosmischen Fliehkraft die Welt regiert, kann man die Schwerkraft im übertragenen Sinne als die lenkende Seele der Welt bezeichnen. Und wie Lebewesen und deren Seelen kommen und gehen, so verliert sich infolge der Fliehkraft die beim Urknall entstandene kosmische Seele letztlich in den Weiten des Weltraums, weil die Reichweite von Schwerefeldern begrenzt ist. Oder wie ich es in meiner Kosmologie sage, unseren Kosmos als einen von vielen im Universum sehend: "Die Kosmen kommen und gehen, doch die Energie, das Universum bleibt." Und immer wieder können im Universum neue Kosmen entstehen. Und in ihnen Leben.

Diese kosmische Seele ist in uns und überall außerhalb von uns und nicht nur die Ursache geordneter Himmelssysteme, sondern schafft durch deren lange Existenz auch die Voraussetzung von Leben. So hatten erste einfachste Lebewesen auf der Erde viel Zeit, sich evolutionär zu entwickeln. Und wir vermögen keinen Schritt zu tun und keine andere körperliche Bewegung ausführen ohne Beachtung der Schwerkraft. Ebenso achtsam sollten wir mit ihr in der Kosmologie umgehen und nicht für viel Geld in den Weiten des Alls zeitgeistigen Hirngespinsten hinterherjagen, die sich in der kosmischen Umgebung nicht zeigen, was bereits gegen das kosmologische Prinzip der Einheitlichkeit verstößt, dass besagt, dass der Kosmos überall von gleicher Natur ist. In meiner Sicht ergibt sich so ein Weltbild von großer Einfachheit, Klarheit und Schönheit, das darin nicht übertroffen werden kann.

Zum Weiterlesen:
ZEIT UND SEIN
Texte in Versform
[7] Die Lehre von der Allgewalt der Schwere. Szene Faust/Newton
http://www.helmut-hille-philosophie.de/schwere.html


Helmut Hille
Was besagt der Gottesbegriff?
Ein Beispiel für Neurotheologie als Teil der Neurophilosophie
15.02.2019
Wer nur Philosophie versteht, versteht auch die nicht recht. Man sollte auch wissen, wie das Gehirn funktioniert.

Martin Walser schreibt in "Die Stimmung, das Wissen, die Sprache" (UNIVERSITAS Sept.1995 S. 817): "Wer sagt: Gott existiert nicht, hat doch damit schon von ihm gesprochen. Man spürt direkt, wie schwach die Verneinungskraft der Sprache ist, verglichen mit einem Hauptwort. Wenn es Gott nicht gäbe, könnte man doch nicht sagen, dass es ihn nicht gebe. Es gibt das Wort. ... Wir brauchen diese Wörter, sonst gäbe es sie nicht. Sie drücken unser Bedürfnis aus. Unseren Mangel. Unsere Not." Wir sollten also als Erstes versuchen zu verstehen, was der Begriff "Gott" besagt. Da hilft uns am besten die Neurophilosophie, das ist die Verbindung philosophischer Fragen mit den Ergebnissen der Hirnforschung.

Das Unbewusste ist ein rationales Organ, das verstehen will, weshalb es immer nach Gründen und Ursachen fragt in der Grundüberzeugung, dass von Nichts nichts kommt. Da die Welt nun mal da ist, muss es folglich ein ewig Existierendes und Schöpferisches geben, dass wir "Gott" nennen. "Gott" ist deshalb ein höchst rationaler Begriff, weshalb er so hartnäckig und für das Weltverständnis so unverzichtbar ist. Erst seine bei Christen gewohnte Verbindung mit einer menschenähnlichen Erscheinung hat ihn fragwürdig werden lassen. Mohamed dagegen hatte klugerweise den Gebrauch von Bildern in Zusammenhang mit seiner Lehre gleich ganz verboten, weshalb Mohammedaner dieses Problem nicht haben. Ihr Gott wird ihnen nicht fragwürdig!

Was ist nun das ewig Existierende? In einem der ältesten Texte der griechischen Philosophie heißt es bei Anaximander aus Milet (um 611 - 545 v.d.Z.): "Der Ursprung der seienden Dinge ist das Unbegrenzte. Denn aus diesem entstehe alles und zu diesem vergehe alles. Weshalb auch unbeschränkt viele Welten produziert werden und wieder zu jenem [Unbegrenzten] vergehen, aus dem sie entstehen." Hier ist von einem Universum ohne Grenzen in Raum und Zeit die Rede, das zwar nicht erfahrbar ist, das sich jedoch in letzter Konsequenz logisch ergibt. Aber wie schon in der Religion mit ihren Vermenschlichungen hat sich der Westen auch in der Wissenschaft geistig blockiert, indem er den von uns bewohnten, durch einem "Urknall" entstandenen Kosmos hartnäckig als "Universum" bezeichnet, der jedoch wahrscheinlich nur einer von vielen in einem grenzen- und zeitlosen Weltall ist. Auch die scheinbar fortschrittlichere Rede von "Paralleluniversen", die ebenfalls einmal entstanden wären, bringt uns da nicht weiter. Es gilt daher als Erstes Kosmos und Universum zu unterscheiden. Das schafft die notwendige Klarheit. Was gibt es daran nicht zu verstehen???

Und was ist nun das Schöpferische, das uns auf Schritt und Tritt in der Natur begegnet? Bedarf es da nicht doch wieder eines menschenähnlichen, wenn auch eines uns weit überlegeneren Wesens? Seit Darwins Evolutionslehre haben wir zumindest eine Ahnung, wie sich biologische Systeme durch Variation und Auslese entwickeln können, wenn auch noch niemand zeigen konnte, wie aus einer Art eine ganz andere wird, außer durch Symbiose z.B. von Algen und Pilzen wie bei den sehr erfolgreichen Flechten.

Prinzipiell wird das Schöpferische in der Natur wie bei den Flechten durch Emergenz bewirkt, das ist durch Einwirkung einer Energie die zufällige Verbindung unterschiedlicher Komponenten zu einer neuen dauerhaften Einheit, was ja schon bei den Atomen beginnt. Da das Neue nicht einfach aus den beteiligten Wirkpartnern abgeleitet werden kann, da ja etwas von ihnen Verschiedenes entsteht, wie das Kind von seinen Eltern verschieden ist, kommt hier der Intellekt an seine Grenzen. Wir können da nur staunen und respektieren. So sind wir zwar aufgeklärt, bleiben jedoch ehrfürchtig gegenüber den Wundern der Natur und der Unendlichkeit des Universums. Aber immerhin werden wir dadurch als Mensch zur Stimme des Seins, das beginnt, sich selbst zu begreifen.

Zum Weiterlesen:
Zum Begriff "Emergenz" Sentenz vom Februar 2016:
Emergenz - der Schlüssel zum Verstehen der Welt
http://www.helmut-hille-philosophie.de/st_2016#emergenz

Ein weiteres Beispiel zur Neurotheologie ist die Sentenz vom Januar 2017 "Engel - Boten des Unbewussten", auch auf WEGE DES DENKENS als Datei (III/4a)


Helmut Hille
Dem Leben auf der Spur
15.03.2019 (Datierung s. Fußnoten zu Sentenzen 2018)
Nachdem die unbelebte Natur durch Physik und Chemie weitgehend verstanden wird, wenn wir hier von den Irritierungen durch die Relativitätstheorie absehen, wendet sich die Wissenschaft verstärkt der Frage nach der Entstehung des Lebens zu, dass so ganz anders zu sein scheint. Aber so wie die Physik dem Grund-Satz von der Erhaltung der Energie folgen muss, so muss die Biologie dem Grund-Satz von der Erhaltung der Erbinformation folgen, als einer übergeordneten Form von Energie, der alles Lebendige unterliegt. Es geht also letztlich nicht um den Erhalt des einzelnen Lebewesens, auch wenn dessen zeitlich eingegrenzte Existenz notwendig zur Weitergabe der Erbinformation ist, sondern hier um deren Erhalt, will man die Natur verstehen.

Die Forscher wollen nun vermehrt wissen, wie und wo das Leben entstanden sein könnte. Sie fragen sich, welche chemischen Bausteine müssen vorhanden sein, um eine biologische Zelle zu bilden, wo sind zuverlässige energetische Quellen, die eine Synthese bewirken können, welche Umgebung wird gebraucht, damit empfindliche komplexe Zellen Bestand haben. Sie mustern dazu nicht nur Orte auf der Erde und am Meeresgrund durch, sondern auch Objekte des Weltalls wie Kometen und Staubscheiben um werdende Sonnen. Entscheidend ist, dass eine Zelle entsteht, die sich selbst reproduzieren kann. Das wäre der entscheidende Schritt für die Entstehung des Lebens. Ich zweifle aber, dass er jemals vollständig nachvollzogen und verstanden werden kann, denn alle Anfänge liegen unvermeidlich im Dunklen, weil etwas Neues entsteht, was man nicht voraussagen kann. Man kann es nur akzeptieren.

So war es sicher einerseits Zufall, dass eine sich selbst vermehrende Zelle entstand, andererseits hat die kosmische Materie die vom Urknall verliehene Neigung, zueinander hin zu streben, weshalb es im Weltall Himmelskörper jeglicher Größe und Form gibt. So ist auch eine Zelle ein Körper unter dieser Bedingung, jedoch mit ganz neuen Eigenschaften. Alle biologischen Systeme sind Mangelwesen, wie Heidegger einmal den Menschen nannte. Alle wollen ja sich nicht nur sich erhalten, sondern wollen auch wachsen und sich vermehren. So sind sie auf Energieaufnahme angewiesen. Meine Definition von Leben lautet deshalb: Leben ist Materie mit der Fähigkeit zur Anverwandlung fremder Strukturen in die eigene, mit dem Ziel der Selbstreproduktion. Das ist für mich der zentrale Befund, was Leben ausmacht. Da gibt es nichts zu beschönigen. Und eines Tages hat sich das Leben auch noch aus seiner genetischen Gefangenschaft in der Zellteilung mit Hilfe der Zweigeschlechtlichkeit befreit, wodurch die Evolution einen sich selbst verstärkenden Schwung bekam.

Während rein materielle Strukturen bei fehlender Fremdeinwirkung bleiben wie sie sind, ansonsten eher der Erosion unterliegen, hat Lebendiges die Tendenz sich auf Kosten seiner Umgebung auszubreiten. Dabei kann es wieder zum Ziel anderer Lebewesen werden, was in der Natur für ein gewisses Gleichgewicht sorgen kann. So können Fleischfresser zum Schützer von Pflanzen und deren Biotope werden. Da aber jeder biologische Körper bereits selbst zum Biotop von Bakterien, Viren und Parasiten werden kann, vermag er nur zu überleben, wenn er gegen sie immun ist. Auf diese Weise hat sich zum biologischen System ein Immunsystem dazu entwickelt, was nicht wichtig genug genommen werden kann. Dass es eine gewisse Selbstständigkeit besitzt erkennt man an den Autoimmunerkrankungen wie Schuppenflechte, Rheuma, Morbus Basedow usw., wenn es beim Menschen z.B. durch dessen Hygiene unterfordert ist. Zur Immunisierung trägt auch bei die ständige Neuentwicklung von Lebewesen und Lebensformen bis hin zur Individualität des Einzelnen, um den Parasiten zu entkommen.

Verstehen wir ganz nüchtern, was das Leben ausmacht und was seine Folgen sind, gilt es die Konsequenzen für unser Dasein und unser Handeln zu bedenken. Die zügellose Vermehrung der Menschheit bei begrenzten Ressourcen der Erde wird in einem Desaster enden, wenn wir nicht früh genug von unserer Vernunft Gebrauch machen. Dafür haben wir sie ja!

Zum Weiterlesen
WEGE DES DENKENS
III. Biologie, Evolution und Ethik
(III/2) Die Genese des Lebens
http://www.helmut-hille.de/page25.html


Helmut Hille
Heilbronns neue Experimenta
12.04.2019
In dem großen Gebiet zwischen den Universitäten Stuttgart und Heidelberg gab es zum Studieren nur die Hochschule Heilbronn u.a. mit zahlreichen eher seltenen Fächern. Zur allgemeinen Vermittlung von Wissen kam, neben den sehr rührigen Volkshochschulen, 2009 in Heilbronn ein Science Center durch Umbau eines seit dem Krieg nicht mehr als Ölsaatenspeicher genutzten Lagergebäudes aus Backstein hinzu. Dessen hochwertige Lern- und Erlebniswelt soll Naturwissenschaft und Technik für Menschen aller Altersgruppen begreifbar machen. In einer Zeit, in der das Technikinteresse im Rückgang ist - es gibt z.B. zu wenig Ingenieure - ist eine solche Gegenmaßnahme wichtig. Die "Akademie junger Forscher" ist dabei das Schüler-Forschungszentrum der experimenta. Parallel dazu hat der Hauptsponsor, die Dieter-Schwarz-Stiftung (Lidl) den Aufbau eines Bildungscampus in der Nähe der experimenta mit großen Beträgen gefördert. Ein vorläufiger Höhepunkt der Bautätigkeit ist die kürzliche Eröffnung der "School of Management" mit dem Schwerpunkt "Digital Technologies" der Technischen Universität München (TUM) in einem eigenen großen Hochhaus. Auf Grund dieser Fakultät möchte Heilbronn sich jetzt gern "Universitätsstadt" nennen, obwohl der Focus auch der neuen Bildungseinrichtungen (wie die Duale Hochschule) weiterhin auf Management und Betriebswirtschaft liegt, also weitgehend auf dem Kaufmännischen, das sicher auch wichtig ist, wie man z.B. an den Heilbronn-Fränkischen weltweit agierenden Handelsfirmen Lidl und Schrauben-Würth ersieht.

Kurz vor Eröffnung der Bundesgartenschau Heilbronn (BUGA) am 17. April 2019 durch den Bundespräsidenten* hat nun auch die neue experimenta am 31. März ihre Pforten geöffnet. Das alles ist ein mächtiger Paukenschlag für Heilbronn, das sich immer zu wenig beachtet gefühlt hatte, und für Dieter Schwarz, der seine Heimatstadt in einem gehoberenen Licht erscheinen und sich selbst ein Denkmal setzen möchte. Das neue Experimenta-Gebäude aus Stahl und Glas steht mit 5 gegeneinander verdrehten fünfeckigen Stockwerken wie ein riesiger Kristall zwischen Campus und BUGA und ist in jeder Beziehung einmalig in Deutschland. Es lockt mit Erlebniswelten, in deren Mittelpunkt der Science Dome mit einem 700 Quadratmeter großen 360°-Kuppelkino sowie einen drehbaren Zuschauerraum lockt. In den anderen Räumen laden den ganzen Tag 275 interaktive Exponate zum Erforschen und Mitmachen ein. Teilnehmer können in 24 ausgewählten Talentstationen mehr über sich selbst und ihre Fähigkeiten erfahren, was ja bereits zur ursprünglichen Zielsetzung des Unternehmens gehörte. In dem alten Gebäude (mit dem Neubau unterirdisch verbunden) befinden sich jetzt 9 hochwertige Labore für Schüler. Dazu hat das 105 Meter lange Laborschiff "MS EXPERIMENTA", das während der Bauphase auf dem Neckar zur Verfügung stand, nun am Bundesgartenschaugelände angelegt und ist von diesem aus weiterhin nutzbar. Aber wo können die so für Naturwissenschaft und Technik begeisterten Schüler danach in der Region studieren?
*bei seiner Rede zitierte der Bundespräsident aus Goethes Tagebucheintrag von 1797 zu Heilbronn - s. den Nachtrag zur Sentenz vom Januar 2018 "Goethe in Heilbronn". (Hinweis nur hier)

Um mir einen persönlichen Eindruck zu verschaffen, habe ich die neue experimenta jetzt kurz nach der Eröffnung besucht. Zu meiner Überraschung ist das Experimenta-Parkhaus in etwa dreimal so lang wie vorher, im Einfahrtsbereich aber noch Baustelle. Ohne einen Hinweis auf den Eingang der experimenta ging ich einfach am Haus entlang bis sich ein Glassegment von selbst auftat, wo mich sofort eine freundliche junge Dame ansprach und mir die Lage von Restaurant, Garderoben und Toiletten erklärte - gut zu wissen! An der Kasse wurde ich 11 Euro los, im Parkhaus später noch 4 Euro 50, wobei der Preis für den Science Dome noch nicht dabei war, der aber auch nur bei Veranstaltungen öffnet, ebenso die Sternwarte. Ich fuhr sofort in den 5. Stock (Dachterrasse aber "momentan geschlossen"), wo man einen guten Rundblick über die Stadt und ihre Weinberge hat, und schlenderte danach durch die Exponate des Hauses, wo überall freundliche Helfer einen erwarteten. Getestet habe ich mich nicht, weil ich gegenüber den Jugendlichen, für die das alles gedacht ist, sicher enttäuschend abgeschnitten hätte. In der Ausstellung im 1. Stock über die Natur der Dinge ging es schon fast philosophisch zu. Erst konnte ich lesen, dass wir sehr viel mehr wissen, als wir sagen können, später dass unser geistiger Radius durch die Sprache begrenzt ist. Ob irgendwo auch noch die Auflösung dieses Widerspruchs steht, weiß ich nicht. Jedenfalls habe ich noch von einem Helfer erfahren, dass für beide Häuser ca. 300 Leute fest angestellt sind und es zusätzlich ca. noch 150 Halbtagskräfte zur Betreuung der Besucher gibt. Ich kann nur hoffen, dass bei einem Eintrittspreis von 5 Euro für die große Gruppe der Ermäßigten die Dieter-Schwarz-Stiftung finanziell da recht lange durchhält und das Interesse am Wissen noch zunimmt.

Alle speziellen Informationen zur experimenta sind deren Prospekten entnommen.

Zum Weiterlesen:
http://www.experimenta.science

An meine Kolumne angehängt: 4 zum Thema passende Kunstobjekte (bitte beachten)


am Handgelenk zu tragende Eintrittskarte mit Funktion - eingerissen bei dem vergeblichen Versuch, sie gewaltsam zu entfernen (Bild und Text nur hier)



Helmut Hille
Eine neue Geschichte des Himmels
15.05.2019
könnte das heißen, was ich im März 2019 in der Technischen Universität München (TUM) im Rahmen der Frühjahrstagung der DPG (Deutsche Physikalische Gesellschaft) vorgetragen habe. Dieser Titel ist mir jedoch erst im Nachhinein eingefallen, als mir klar wurde, dass man komplexe Sachverhalte am besten in Form von Geschichten vorträgt. Man nennt eine solche Textform " narrativ", auf die heute immer mehr Wert gelegt wird. Zudem geht es in meinen Überlegungen zum Kosmos eben gerade um seine Geschichte. die bis heute unvollendet ist. Man weiß weder, was vor dem "Urknall" war, hat sogar verboten danach zu fragen, noch hat man eine Vorstellung von der Zukunft des von uns bewohnten Kosmos. Ich habe in München versucht, da Abhilfe zu schaffen.

Als Erstes habe ich dazu vorgeschlagen, Kosmos und Universum zu unterscheiden. Beide Begriffe werden nämlich ständig miteinander vertauscht, als ginge es um ein und dasselbe. Das Unverständnis geht sogar so weit, dass man in beiden Fachschaften, bei denen ich die Kurzform meines Vortrags eingereicht hatte, meinen Untertitel "Universum und Kosmos" nicht übernahm, sondern durch "Philosophie des Universums" bzw. "Philosophy of Cosmology" ersetzte, was eigentlich als eine Art von Zensur verstanden werden kann, die es angeblich in der DPG nicht gibt. Die neuen Untertitel sind aber auch nicht falsch, auch wenn sie den Kern meines Anliegens verfehlen. Sie sind Beispiel einer Praxis in der Wissenschaft, wie man unverstandenes oder unerwünscht Neues unterschlägt, ohne deshalb gleich etwas Falsches zu sagen. "Raffiniert ist der Herrgott" sagte Albert Einstein. Aber die Wissenschaftler sind es auch wenn es gilt, scheinbar Recht zu behalten.

Zu einer Definition von Universum habe ich am Anfang Anaximander aus Milet (ca. 611 - 545 v.d.Z.) zitiert, von dem überliefert ist "Der Ursprung der seienden Dinge ist das Unbegrenzte. Denn aus diesem entstehe alles und zu diesem vergehe alles. Weshalb auch unbeschränkt viele Welten produziert werden." Ein Kosmos dagegen ist ein geordnetes Ganzes, das im Universum aus einem gemeinsamen Ereignis hervorgegangen ist. Dank fleißiger Astronomen wissen wir nämlich seit etwa 100 Jahren, dass die beobachtbaren Galaxien sich voneinander entfernen, woraus sich ergibt, dass sie einen gemeinsamen Ursprung gehabt haben müssen, der im Englischen sachlich richtig "Big Bang", im Deutschen etwas mystisch verklärt "Urknall" genannt wird.

In der gegenwärtigen Kosmologie ist unser Kosmos eine ursachenlose Schöpfung aus dem Nichts, vielleicht durch Gott (doch wo kommt der denn her?) und wir könnten den höchsten Grundsatz der Physik, den von der Energieerhaltung vergessen und damit die Physik als Wissenschaft. Denn wenn schon unser riesiger Kosmos keiner physikalischen Ursache bedarf, dann bedürfen auch alle geringeren Ereignisse danach erst recht keiner. Da weist nun die Unterscheidung von Universum und Kosmos einen Ausweg. Unser Kosmos ging aus einer zusammenströmenden Materie oder Antimaterie oder deren Zusammenstoß hervor, die bei genügender Menge und Dichte explodierte, wobei alle vorherigen Formatierungen ausgelöscht wurden. Übrig blieb reine Energie, die wiederum durch ihren Druck kondensierte und erste Verbindungen hervorbrachte, nämlich Wasserstoff und Helium. Später entstanden aus diesen Grundelementen infolge der hohen Energie von Supernovä zusätzlich die komplexeren Elemente, wie wir sie heute kennen.

Wenn nun so hohe Energien erforderlich sind, um die Elemente zu bilden, ist es nicht verwunderlich, dass bei ihrer Zerstörung auch wieder riesige Energien frei gesetzt werden, wie wir von Atom- und Wasserstoffbomben wissen, die beide als Echo ihrer Entstehung ein Beweis für den Big Bang und seine Folgen sind. Einsteins berühmte Gleichung E = mc² gibt uns davon eine Ahnung, wieviel Energie in der Materie steckt. Aber das Ende unseres Kosmos, von dem es im Universum wahrscheinlich viele gibt, müssen nicht gleich Explosionen sein, sondern die fliehenden Galaxien verlieren sich einfach in den Weiten des Universums und ihre Teile könnten irgendwann Teil neuer Ereignisse werden. Zu ihrer über alle Erwartungen der Physiker hinaus gehenden immer schneller werdenden Flucht trägt auch bei, dass die Reichweite der um die Himmelskörper herum verteilten und sie zusammenhaltenden Gravitationsenergie durch die Quantelung der Energie begrenzt ist, was meines Wissens bisher nicht berücksichtig wurde.*

Zum Verständnis der Geschichte des Himmels sind neben dem Satz von der Erhaltung der Energie nämlich auch immer die bewährten Vorgaben der Quantenphysik zu beachten, ferner Newtons Gravitationsverständnis sowie die Unterscheidung von Universum und Kosmos. Mit diesen vier Bedingungen haben wir alle Elemente zum Verständnis der Dynamik und der Geschichte des Himmels in der Hand. Mehr braucht es nicht, auch keiner Suche nach dunkler Energie und Materie zum Ausgleich der Defizite unzureichender Berechnungen. Ich habe ferner vorgeschlagen, die Gravitation als das Ergebnis des Big Bang zu verstehen, der alle beteiligte Materie und Energie miteinander verschränkte, so eine neue Einheit schuf, weshalb Himmelskörper - der vom Big Bang verursachten Fliehkraft entgegen - ständig zueinander hinstreben, um wieder vereint zu werden, während sie zugleich miteinander "fliehen". Stabile Galaxien, Kugelsternhaufen und Planetensysteme sind das Ergebnis des Gleichgewichts der beiden miteinander ringenden Urkräfte, das jedermann offen vor Augen liegt. Wir haben es so mit einem Weltbild von großer Einfachheit, Klarheit und Schönheit zu tun, dass darin nicht übertroffen werden kann. Beginnend mit einem sehr alten Zitat, habe ich in München mit dieser Sicht in knapp 15 Minuten versucht, die Geschichte des Himmels und den Weg zu ihrem Verständnis neu zu erzählen - weiß aber nicht, ob das jemand bemerkt hat.

Zum Weiterlesen:
ZEIT UND SEIN
Tagungsbeiträge
(11) DPG 2019: Die Gedanken sind frei. Universum und Kosmos
http://www.helmut-hille-philosophie.de/anhang11-AG.html

*Meldung von heise online vom 26.04.2019, gefunden am 03.05.2019, nachdem ich den obigen Text gerade ins Netz gestellt hatte:
"Hubble-Konstante: Universum expandiert noch schneller als erwartet
Die Diskrepanz zwischen der erwarteten kosmischen Expansionsgeschwindigkeit und der ermittelten ist noch größer als bislang gedacht. Neue Theorien müssen her."



Helmut Hille
Expedition in das Innere des Verstandes
Juni 2019?
Selbst Naturwissenschaftler haben oft das Problem zu unterscheiden, was real und was rein geistig existiert, weil sie sich zu wenig oder gar nicht für die Rolle des Beobachters interessieren. Manche leugnen in ihrem materialistischen Weltbild sogar gleich, dass es eine solche Rolle überhaupt gibt, weshalb Aufklärung Not tut. Aufklärung heute ist die Aufklärung der Beobachterrolle. Ohne diese Aufklärung bleibt alles Wissen vorläufig.

Ein Freund will in seiner monistischen 1:1-Weltsicht allen immer klar machen, dass Sehnerv-Erregung und Seh-Empfindung ein und dasselbe wären. Doch wir haben nicht Sehempfindungen sondern Helligkeitsempfindungen und das, was wir sehen, ist die auf unsere Biographie gestützte plausible Interpretation der Lichtreize durch das Gehirn - die größtmögliche Referenz, die jeder hat. Vereinfacht kann man sagen: man sieht nur was man kennt. Beim Sehen betrifft der zur Interpretation der Lichtreize erforderliche innere Monolog 80 bis 90% seiner Tätigkeit (Wolf Singer, Hirnforscher). Wem als blind Geborener eines Tages das Augenlicht geschenkt wird, hat dann zwar Helligkeitsempfindungen, doch das Sehen, als ein Erkennen des Gesehenen, muss er erst lernen - wenn er es denn schafft, wenn nicht die während der Kindheit dafür offenen Nervenbahnen infolge Nichtgebrauchs eliminiert wurden. Ein Betroffener, der darüber sprach, wünschte sich, wieder blind zu sein.

Das ist nur ein Beispiel für die Rolle des Beobachters, die nicht überschätzt werden kann. Und sie geht noch weiter. Da sind zum Beispiel Relationen (Beziehungen), die ein Beobachter unwillkürlich herstellt, um besser zu verstehen, was er wahrnimmt. Ein einfaches Beispiel ist die Aussage "Franz läuft schneller als Fritz". Das "schneller als" scheint dabei nur im Kopf des Beobachters auf, sobald er Franz und Fritz beim Laufen miteinander vergleicht. Man kann sagen, der Mensch weiß von Natur aus nichts, sondern er gewinnt sein Wissen durch die Fähigkeit des Vergleichens. Ebenso wissen die unbelebten Dinge nichts und können mangels mentaler Fähigkeiten aber auch kein Wissen gewinnen. Es ist also immer falsch, für ein Naturgeschehen Relationen verantwortlich zu sehen. Leblose Gegenstände verharren einfach nur in ihrem Zustand, solange keine Kraft auf sie einwirkt. Genau das besagt Newtons 1. Axiom, was Newton tiefes Verständnis der physikalischen Natur beweist. Eine Theorie der Physik dagegen, in der Zustände von Relationen abhängig wären, kann also niemals eine Aussage zur Natur sein, sondern gehört zu dem Bereich, wie wir geistig mit ihr umgehen.

Zu diesem geistigen Umgang gehört die Zuordnung von Objekten zu Richtungen, Orten und mit ihnen verbundene Geschwindigkeiten. Doch die Objekte selbst wissen nichts von ihnen. Sie wissen nichts von oben und unten, links und rechts, Nord und Süd und auch nichts von langsamer und schneller und damit auch nichts vom ihrem Tempo als Maß der Ortsveränderung, das eben die Verbindung mit Orten voraussetzt, die ein Beobachter dazu gibt. Ein objektiver Zustand, also ein Zustand den das Objekt selber hat und der sein Verhalten bestimmt, hängt daher nicht von solchen Zuordnungen des Betrachters ab, was verstanden sein muss, will man zutreffende Vorhersagen treffen. Zum Beispiel kann eine Geschwindigkeit niemals Ursache der realen Eigenschaft einer Sache sein, z.B. ihrer Menge, "Masse" genannt, da ja die Geschwindigkeit immer nur im Kopf der vergleichenden Person existiert. Zudem gilt vorrangig immer das Gesetz von der Erhaltung der Energie.

Die unbelebte Natur kennt auch keine Ziele. Diese haben immer nur lebendige Wesen, deren Ziel es ist, zu überleben um sich fortzupflanzen. Auch der Mensch selbst ist kein Ziel der Natur, weder der Evolution, noch gar des Urknalls. Er ist nur passiert und nun mal da. Und wenn er sich nicht in seiner Zahl und seinen Ansprüchen den begrenzten Ressourcen der Erde durch Familienplanung anpasst, wird er bald auch wieder verschwinden wie unzählige Arten vor ihm. Das ist dann wieder Naturgesetz. Damit wir als Menschheit nicht durch ungezügelte Vermehrung blind in eine Katastrophe laufen, gilt es die Ursachen des Problems zu bedenken. Seien wir also verständige - aber ebenso mitfühlende Wesen. Wenn wir diese Erde und ihre Geschöpfe nicht mit ganzen Herzen lieben, werden wir sie und uns auch nicht bewahren.

Zum Weiterlesen
WEGE DES DENKENS
II. Das Verhältnis von Denken und Sein
(II/7a) Was ist und wie entsteht Information? oder Die Rolle des Beobachters
http://www.helmut-hille.de/page22.html


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